Feed on
Posts
Comments

Verkehrsunfälle haben häufig den Nachteil, dass Zeugen erst durch die Aufprallgeräusche auf den Vorfall aufmerksam werden und dann von dem eigentlichen Unfallgeschehen nicht viel mitbekommen haben (die sog. „Knallzeugen“)

Damit steht der Geschädigt häufig vor dem Problem, dass er den Unfallverlauf beweisen muss. Das ist mitunter nur über teure Sachverständigengutachten möglich. Da derjenige der den Anspruch geltend macht diesen üblicherweise beweisen muss ist der hierfür erforderliche Kostenvorschuss durch den Kläger einzuzahlen.

Mitunter kommt dem Anspruchsinhaber aber auch ein Anscheinsbeweis zugute. Ein solcher liegt dann vor, wenn ein bestimmtes Ereignis typischerweise auf diese Art stattfindet und damit eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür spricht, dass es auch in diesem Fall so ist.

Nimmt das Gericht einen Anscheinsbeweis an bedeutet dies, dass zunächst von einem bestimmten Verlauf ausgegangen wird, sofern die Gegenseite nicht besondere Umstände vorträgt, die in diesem Fall die Annahme nahelegen, dass hier nicht der typische Fall vorliegt, bei dem das Schadensereignis in dieser Form eintritt, sondern ein abweichender Verlauf.

Typische Unfallverläufe, bei denen eine Anscheinsbeweis angenommen wird, sind beispielsweise:

  • Es wird vermute, dass der Auffahrende den Unfall allein verursacht und verschuldet hat. (Abweichendes Ereignis könnte z.B. sein: Ein sehr harte plötzliche Bremsung ohne Anlass)
  • Ein Fahrer dessen Fahrzeug auf die Gegenfahrbahn kommt hat den Unfall typischerweise zu verantworten
  • Ist der Fahrer z.B. aufgrund Alkoholkonsums fahruntüchtig gewesen (wobei auf die absolute Fahruntüchtigkeit, also ab 1,1 Promille abzustellen ist) wird angenommen, dass der Unfall nüchtern hätte vermieden werden können, also der fahruntüchtige Fahrer den Unfall alleine zu verantworten hat (Abweichendes Ereignis könnte z.B. sein: Der Unfallhergang steht nicht im Zusammenhang mit einer Fahrleistung des betrunkenen Fahrers)
  • Wer sich in den Verkehr einordnet, beispielsweise beim Anfahren vom Fahrbahnrand oder bei einer Ausfahrt hat üblicherweise den Unfall verschuldet.
  • Bei Verletzungen spricht ein nicht angelegter Gurt dafür, dass die Verletzung mit Gurt nicht eingetreten wäre.

Die Gegenseite muss wie bereits gesagt diesen Anscheinsbeweis erschüttern, indem sie Umstände vorbringt, die ein Abweichen von dem üblichen Verlauf erwarten lassen. Gelingt dieses Erschüttern, so muss der Kläger wieder den vollen Beweis führen, dass die Gegenseite verantwortlich ist

Jedes Mal, wenn Garantie- oder Kardinalspflichten verletzt sind, besteht der erste
Anschein dafür, dass diese Pflichtverletzung ursächlich für den Unfall ist.

One Response to “Beweislast bei einem Verkehrsunfall, insbesondere der Anscheinsbeweis”

  1. Uwe sagt:

    Sehr interessant. Im ersten Moment weiss man gar nicht, wie man sich verhalten soll.

Leave a Reply

%d Bloggern gefällt das: