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Zwei Regisseure haben ein überraschendes Grundsatzurteil vor den obersten Schwedischen Gerichtshöfen errungen. Die drei Instanzen – das Landgericht Stockholm, die Berufungskammer und letztendlich das Oberste Gericht des Landes – hatten über eine Klage der Regisseure Vilgot Sjöman und Claes Eriksson zu entscheiden: Beide wandten sich gegen die Werbepausen in ihren Filmen.

Zu Beginn der Auseinandersetzung wurden die beiden Regisseure von der Industrie nur müde belächelt, da es doch ein „Naturgesetz“ sei, dass sich Filme durch Verkäufe ans Fernsehen und kommerzielle Sender sich wiederum durch Werbung finanzieren. Doch zur großen Überraschung gaben alle Gerichte den Regisseuren Recht, und nun, nach dem einstimmigen Urteil der höchsten Richter, ist keine Berufung mehr möglich: Werbeblöcke in Filmen sind in Schweden ab sofort illegal, sofern die Regisseure nicht schriftlich zustimmen.

Für die Gerichte besaß eindeutig das Urheberrechtsgesetz der Regisseure über die Verwendung ihrer Filme frei zu entscheiden Vorrang gegenüber die Praxis der TV-Sender, bis zu vier Werbepausen in Filme zu schneiden. Nach Ansicht der Richter sei eine Unterbrechung von Filmen stets eine „Kränkung der Integrität des Werkes und des Urheberrechts des Regisseurs“. Der schwedische TV-Sender TV 4 muss nun nicht nur eine Strafe in Höhe von 300.000 Kronen zahlen (31.800 Euro), zusätzlich muss der Sender muss auch sämtliche Verfahrens- und Anwaltskosten für beide Parteien tragen.

Das Verfahren hatte weltweit für große Spannung und Aufsehen gesorgt. Der Regisseur Vilgot Sjöman, der in den Sechzigerjahren schon die Freigabe seines erotisch-politischen Films „Ich bin neugierig – Gelb“ in den USA gerichtlich erstritten hatte, starb im Verlauf des Verfahrens. Claes Ericsson feierte den finalen Spruch als „noch genauer und noch mehr zu unserem Vorteil“. Beide Regisseure waren von prominenten Kollegen unterstützt worden, darunter Martin Scorsese, Woody Allen und Oliver Stone, die sich lauthals gegen die
zunehmende „Verhunzung“ von Filmen durch kommerzielle Interessen wehren.

Es bleibt abzuwarten, ob sich nun auch deutsche Regisseure gegen die Werbeunterbrechungen in ihren Filmen werden oder ob der Richterspruch nur dazu führt, dass sich die Regisseure ihre Zustimmung zu Werbepausen gesondert vergüten lassen…

Rechtsanwalt Trost
http://www.ra-trost.de

2 Responses to “Sieg über die Werbepause”

  1. doppelfish sagt:

    Ich hatte schon immer den Verdacht, daß die Schweden ganz vernünftige Menschen sind.

  2. Brandau sagt:

    Fragt sich nur wo es hingeht, wenn sich das druchsetzt. Bei alten Filmen könnte eifrig nachverhandelt werden, bei neuen werden entsprechende Klauseln zur Nutzung vereinbart werden (wobei wahrscheinlich genug Fernsehsender gerade in der internationalen Verwertung versuchen werden mehr Werbung einzublenden als zugestanden, in der Hoffnung, dass es nicht auffällt). Vielleicht ein Vorteil für die öffentlich-rechtlichen, die die Filme dann billiger bekommen als die Privaten, weil sie ab einer bestimmten Zeit eh keine Werbung zeigen.

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