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In dem Beitrag „Zeugen im Gerichtsverfahren: Erinnerungen sind trügerischer als man meint“ hatte ich schon auf zwei interessante Videos hingewiesen, die zeigen, dass Wahrnehmung und Erinnerung etwas sehr subjektives sein können.

Ein weiteres Video dieser Art habe ich über einen Bericht in der Süddeutschen Zeitung („Konzentration lehnt ab„) gefunden:

The Monkey Business Illusion

2 Responses to “Zur Wahrnehmung von Zeugen II”

  1. sic! sagt:

    Es ist eigentlich interessant, wie viel oder wie wenig Einfluß das schwächste Beweismittel, ein Zeuge, in einem Prozeß so haben kann. Und wieviel freie Beweiswürdigung in die tatsächlichen, vermeintlichen oder gehört haben wollenden Aussagen investiert wird, oder eben auch nicht.

    Richtig gruselig wird es dann, wenn man sich mal ein wenig mit den (leider viel zu seltenen) Studien zu dem Thema beschäftigt. Denn auch zwischen den Zeugen selbst gibt es massive Qualitätsunterschiede. Die sind unter anderem davon abhängig, was man gerade tat, welche und wieviele externe Einflüsse es gab, die Gemüts- und Stimmungslage des Zeugen, was für beobachtete Parteien beteiligt sind, was der Zeuge beruflich so macht, wer in welcher Form fragt, die Zeitspanne zwischen Ereignis und Befragung, zwischen erster und zweiter Befragung und so weiter.

    Vor zwei oder drei Jahren gab es dazu auch mal eine Studie, die sich dem Thema aus Sicht der Häufigkeit und des Verschleißeffektes genähert hat. Das Ergebnis war recht erschütternd, Polizisten rangierten dort als Zeugen ganz hinten, sprich, sie hatten die größte Anzahl Falschaussagen in beobachteten Szenarien. Warum?

    Durch die Häufigkeit, mit der ein Polizist mit einer Befragungssituation konfrontiert wird, verblasst der bei normalen Menschen vorhandene Zweifel an der eigenen Aussage und es gibt zudem eine Vielzahl ähnlich gelagerter Szenarien, die er schon erlebt hat, so daß er nicht mehr scharf dazwischen trennen kann. In der Praxis sieht das dann so aus, daß eine Befragung dann oft gegen den Zufallszeugen deutet, der zwar aussagt, aber auf die Nachfrage der Kläger oder Beklagtenseite die Möglichkeit des Irrtums einräumt, obwohl er mit einer nicht geringen Wahrscheinlichkeit das Geschehen zumindestens grob korrekt erfasst hat. Im Gegensatz dazu wird der Polizist eine (meist ungewollte) Falschaussage tätigen, die er gegenüber Nachfragen absolut verteidigt. Wie will man als Richter, Staatsanwalt oder Verteidiger dann mit der Wahrheitsfindung ansetzen?

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