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Im Vorprozess hat der Kläger sich wohl mangels anderer Beweismittel auf die Parteivernehmung des Beklagten berufen. Das Gericht hatte diesen befragt und teilte daraufhin mit, dass es alle Fragen gestellt habe, die Antworten des Beklagten aber den Beweis nicht erbracht hätten und die Sache daher abweisungsreif sei.

Der Beklagte, noch im Zeugenstand, meldet sich. Sein Rechtsanwalt rollt die Augen, winkt seine Hand runter. „Lassen Sie jetzt mal die Richter reden“. Es folgt ein böser Blick des Rechtsanwalts bis dann schließlich die Hand nach unten geht.

Der Klägervertreter, der nicht so früh aufgeben wollte, teilte mit, dass er dann selbst noch einige Fragen an den Beklagten habe und fing an diesen zu befragen.

Er fragte nach konkreten Fakten, eher im Stil einer Ja/Nein Frage.

Beklagter: „Da muss ich etwas weiter ausholen…“

Beklagtenvertreter: „Nein, müssen sie nicht, beantworten Sie die Frage mit Ja oder Nein!

Er will eigentlich erzählen, schluckt es runter. Sagt Ja, sagt nein.

Der Klägervertreter fragt nach ein paar Daten.

Beklagter: „Da muss ich gerade mal überlegen! Das ist schwer zu sagen. Also wenn man sich jetzt noch mal die ganze Geschichte wie folgt bewußt macht!

Beklagtenvertreter (laut): Das Datum! Nur das Datum! Wenn es es nicht wissen, dann sagen Sie das!

Es bildet sich leichter Schaum vor dem Mund des Beklagtenvertreters.

Der Klägervertreter fragt weiter. Jedesmal wenn der Beklagte den Mund aufmacht schließt ihn der Beklagtenvertreter mit einem bösen Blick, zwingt den Beklagten zu kurzen Antworten. Noch das ein oder ander Mal heißt es „Nun beantworten Sie einfach nur die Frage!“ oder „Ein Datum reicht!“ .

Dann schließlich, endlich,  keine weiteren Fragen mehr. Der Beklagtenvertreter sinkt erschöpft etwas im Stuhl zurück. Gute Arbeit, der Beklagte ist vor sich selbst gerettet.

Die Klage bleibt unschlüssig.

4 Responses to “Zur Kontrolle redewütiger Mandanten”

  1. RA Neldner sagt:

    Wieso ist eine Klage unschlüssig, wenn ein Beweis nicht erbracht wurde? Ich würde eher auf unbegründet tippen. Wenn die Klage unschlüssig wäre, hätte Beweis gar nicht erhoben werden dürfen.

  2. GH sagt:

    Hätte der Klägervertreter mal ein wenig in der ZPO gelesen, hätte er den Zeugen zum Reden bringen können: Denn Zeugen haben ihr Wissen im Zusammenhang zu berichten, (§ 396 I ZPO).

  3. fernetpunker sagt:

    Aber der Beklagte ist doch gerade kein Zeuge, sondern Partei, oder?

  4. Tourix sagt:

    Aha,
    ein guter Rechtsanwalt muss also böse gucken können …
    🙂

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