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In dem Verfahren war es durchaus etwas hin und her gegangen, aber das Ende zeichnete sich – zwischenzeitlich in der Berufungsinstanz angekommen – ab. Der Sachverständige hatte eine für uns günstige Auffassung vertreten und sollte diese auf Antrag der Gegenseite nun nocheinmal in der Verhandlung in einem Punkt erläutern.

Dabei drehte es sich darum, ob ein Fehler der Handwerker durch diese hätte bemerkt werden müssen. Der Sachverständige hatte hierzu in seinem Gutachten ausgeführt, dass man ja eben deswegen Fachkräfte anheuern würde und diese dann für solche Fehler einstehen müssten.

Der Sachverständige nahm also in der Verhandlung auf dem Zeugenstuhl Platz und der Vorsitzende Richter nahm erst die Daten zur Person auf und machte sich dann daran in der Sache nachzufragen. Dies verlief etwas verkürzt und vielleicht nicht genau in diesen Worten so:

Vorsitzender Richter: „Lassen sie mich Ihnen erst einmal in aller Ausführlichkeit den Lauf des Verfahrens schildern, auch wenn es für Sie nur noch um eine kleine Teilfrage geht…“

Vorsitzender Richter:„Das war also der Verlauf der ersten Instanz, dann hat der Kläger Berufung eingelegt…“

(Minuten vergehen, der Sachverständige ist etwas verwirrt. )

Vorsitzender Richter:was uns zur Beweisfrage bringt: Sie sollen etwas dazu sagen, ob die Mängel für den Beklagten vor Ausführung der weiteren Arbeiten erkennbar waren. Ich erläutere Ihnen aber gerade noch mal, warum wir gerade zu dieser Beweisfrage gekommen sind…

(Minuten vergehen, der Sachverständige ist noch etwas verwirrter. )

Sachverständige: Also wenn ich das richtig verstanden habe, dann soll ich nur was dazu sagen, ob die Fehler vor Ausführung der weiteren Arbeiten für die Beklagten erkennbar waren, richtig? Da hatte ich ja schon in meinem Gutachten…

Vorsitzender Richter: Sehr richtig, zu dieser Beweisfrage sollen Sie etwas sagen, denn inzwischen konnte ja in anderen Beweisaufnahmen bereits festgstellt werden, dass es auf andere Punkte nicht mehr ankommt, was sich wie folgt zugetragen hat….

(Minuten vergehen)

Als der Sachverständige dann endlich reden durfte entschädigte er mich aber für die lange Einleitung indem er standhaft bei der bereits in seinem schriftlichen Gutachten geäußerten Meinung blieb.

3 Responses to “Zur Befragung von Sachverständigen durch das Gericht”

  1. Susan sagt:

    Anstelle des Sachverständigen hätte ich auf diese lange Einleitung entweder nur mit „Ja“ geantwortet oder erwidert: „Mein Urgroßvater wurde 1854 in einem kleinem Bergwerkstädtchen im Thüringer Wald geboren. Lassen Sie mich bitte kurz erläutern, wie ausgerechnet sein Neffe Wilfried, 1916 bei einem Senfgasangriff in Verdun verstorben, meines Vaters Berufswahl – und mithin auch die meine – entscheidend beeinflußt hat und welche Auswirkungen diese Geschehnisse auf die Beantwortung der Beweisfrage haben…“

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