Die junge Proberichterin muss das Dezernat gerade übernommen haben und hatte damit auch unseren Termin geerbt. Die Akte war schon reichlich dick und der Sachverhalt sehr kompliziert. Es war ihr anzumerken, dass sie den Sach- und Rechtsstand noch nicht ganz durchschaute. Ich denke im Nachhinein hätte sie den Termin gerne verlegt gehabt.
So quälten wir uns alle durch eine Zeugenbefragung, bei der der Kollege und ich erhebliche Hilfestellungen leisten mussten, damit die Fragen an den Sachverständigen sinnvoll und zur Akte passend blieben.
Weiter geht es mit einem Sachverständigengutachten. Nach den Aussagen der Richterin könnte es sein, dass beim nächsten Termin schon wieder ein neuer Richter zuständig ist.
Ich hoffe, dass der dann etwas mehr Zeit hat sich einzulesen.
Diese Erb-Dezernate, in denen die Akten von einem Proberichter zum nächsten gereicht werden, sind ganz schlimm. In einer von uns vertretenen Gewerbemietsache, in dem es um etliche Streitpunkte ging, haben wir in zwei Jahren sage und schreibe vier Proberichter “verschlissen”, die sich in Ermangelung einer gründlichen Einarbeitung in ebenso teuren wie sinnlosen Zeugenvernehmungen und Sachverständigengutachten ergingen, bis die Akte endlich ein erfahrener Vorsitzender in die Hand bekam, der erkannte, daß es auf die Sachfragen im wesentlich gar nicht ankam, da die Ansprüche so oder so aus Rechtsgründen überwiegend nicht bestanden. Der Keks war in fünf Minuten gegessen. Aber der Kläger bliebt auf einem riesigen Kostenberg sitzen, für den ausschließlich das Gericht verantwortlich war.
Tja. Die Proberichterausbildung ist sehr teuer. Leider zumeist für beteiligten Bürger.
Gewerbemietsachen sind aber auch *ganz* übel…