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Vor meiner Verhandlung vor dem Landgericht war nur noch ein Termin und dieser schien „einseitig“ zu bleiben, es würde also nur eine der Parteien auftreten, so dass das Gericht ein Versäumnisurteil erlassen kann.

Der für seine Partei auftretene Kollege nahm dennach auch gar nicht groß Platz, sondern die Sache wurde kurz direkt am Richtertisch besprochen. Bei dem Diktat des Protokolls schlug der Richter kurz die Akte auf und hielt schlagartig mit dem Protokoll inne.

Richter: „Ah, stimmt, Sie sind aus der Kanzlei Schlau und Kollegen, da hatte ich neulich ihren jungen Kollegen angerufen. Da hat man mich damit vertröstet, dass er ein Mandantengespräch hätte. Das mag ich gar nicht!“

Kollege: „…??“

Richter: „..und dann habe ich um Rückruf gebeten und der erfolgte auch erst nach einer Stunde, das ist ja wohl nicht zu glauben!

Beisitzer (zum Vorsitzenden, beruhigend): „Nun seien sie mal nicht so streng mit den jungen Kollegen, die müssen das erst lernen…“

Richter: Als ob ich meine Zeit gestohlen hätte! Ich erwarte von Anwälten einen umgehenden Rückruf! Sagen Sie ihm mal, dass ich so etwas nicht dulde! Diese jungen Anwälte meinen sie können sich wohl alles erlauben! Aber nicht mit mir“

Kollege: „…äh… ich werde es weiterleiten“

Richter: „Gut, wo war ich …“ (diktiert Protokoll weiter)

Die nachfolgende Verhandlung wurde mit einem diesem Gespräch entsprechenden Verständnis der richterlichen Omnipotenz geleitet.

Auch in einem Vorsitzenden Richter am Landgericht kann ein Dämon wohnen.

7 Responses to “Wie schnell man einen Richter zurückrufen sollte”

  1. RA JM sagt:

    Arroganz der Macht? Ekelhaft!

  2. “…äh… ich werde es weiterleiten” – das war die falsche Antwort, eine Antwort, die ein solches Verhalten letztlich reproduziert. Korrekte Antwort wäre etwa gewesen: „Das ist jetzt nicht Ihr Ernst, oder?!“

  3. Brandau sagt:

    @Detlev Beutner
    Im Grundsatz stimme ich zu. Ich hätte nach meinem Eindruck aber auch vermutet, dass man den Richter nicht mehr „erziehen“ kann. Insofern mag der Kollege an dieser Stelle keinen Sinn in einem Kampf gesehen haben.

  4. Heidi sagt:

    So, so. Das mag der Herr Vorsitzende gar nicht. Und welche Konsequenzen zieht Seine Majestät aus einem solchen ungebührlichen Verhalten eines jungen Schnöselanwalts, der es wagt, Seine Hoheit nicht binnen Minuten zurückzurufen? Aktive Bevorzugung des devoten Gegenanwalts?

    Nicht einmal im Traum fiele es mir ein, einen solchen Richter zurückzurufen. Wer schreibt, der bleibt.

  5. Brandau sagt:

    @Heidi
    Ja, ist eigentlich ein schöner Grund für einen Befangenheitsantrag. Den überlege ich mir in meiner Sache, die danach kam, aus anderen Gründen auch schon. Mal sehen, wie es weiter geht.

  6. Grausi sagt:

    Jaja, die Majestäten in samtbesetztem Schwarz. Guckst du hier, macht schon was her: http://www.roben-shop.de/richterroben-richterroben-nach-mass-c-22_33.php

  7. Uli sagt:

    Immer noch besser einer, der Ahnung von Prozessrecht hat.

    Mir liegt hier ein Beschluss in einer Zivilsache einer (Probe)Richterin vor in dem es wortwörtlich heißt:

    …es ist nicht Aufgabe des Gerichts, sich aus den jeweiligen Parteivorträgen einen Sachverhalt zu konstruieren…

    Was denn sonst bitte schön??

    Zudem werden im Beschluss Parteivorbringen als unstreitig dargestellt obwohl bestritten; ferner hatte die junge Kollegin dem Beklagten die Frage bejaht, ob er denn nicht vom persönlichen Erscheinen entbunden werden könne; er müsse dann halt damit rechnen, dass er beweisfällig bleiben würde. Noch nie was von einem VU gehört??

    usw. usw.

    Auf den ersten Termin zur mündlichen Verhandlung bin ich arg gespannt.

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