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Der Rechthaber berichtet von der personifizierten Öffentlichkeit bei seinem Stammgericht. Personen wie dort geschrieben gibt es wohl an jedem Gericht. Auch im übrigen kennt man die typischen Zuschauer bald

1. Wartende Kollegen

Einen Großteil der Öffentlichkeit machen diejenigen aus, die auf den nächsten Termin warten. Je nach Gericht sitzen die Wartenden mehr oder weniger still da oder lesen in Akten oder Zeitungen oder unterhalten sich.

2. Verwandten und Freunde der Parteien

Ein wenig seelische Unterstützung schadet nie denken sich viele und bringen Freund zu den Verhandlungen mit.

3. die „Gerichtsrentner“

Einige ältere Damen und Herren scheinen den Gerichtsshows des Fernsehens das tatsächliche Leben vorzuziehen. Es sind etwa 3-4 Personen, die man inzwischen kennt, auch wenn man als Zivilrechtler eher weniger von ihnen zu sehen bekommt. Denn es handelt sich durchaus um Gourments, die sich nicht jede beliebige Verhandlung ansehen, sondern sich die Filetstücke heraussuchen. Enttäuscht man ihre Erwartungen und liefert keine ausreichende Show, verstricken sich die Zeugen nicht in Widersprüche oder fragt der Richter nicht scharf genug nach, so sind sie ebenso schnell verschwunden, wie sie in der Verhandlung auftauchen. Auf den Gerichtsfluren sieht man sie die Gerichtsfluraushänge wie Aufführungspläne studieren. Mitunter erhält man nach einer Gerichtsverhandlung ein anerkennendes Nicken. Dann hat die Vorstellung gefallen.

4. der Überwacher

Eine ganze Zeit gab es in den Siegener Gerichten einen, der die Aufgabe, die der Öffentlichkeit zugedacht war, nämlich die Kontrolle der Gerichte, tatsächlich ernst nahm. Gerüchte besagten, dass er einen Prozess verloren hatte, was aus seiner Sicht eine höchste Ungerechtigkeit war. Fortan sollten ähnliche Ungerechtigkeiten verhindert oder zumindest überwacht werden. Diese Aufgabe erforderte natürlich den Besuch diverser Gerichtsverhandlungen, wobei die Ernsthaftigkeit durch ein martialisches Auftreten, namentlich ein Auftreten in Tarnkleidung mit Kampfstiefeln unterstrichen wurde. Da dies wohl die Richter beunruhigte stellte man ihm einen Wachmann an die Seite, der ihn auf Schritt und tritt begleitete. Als ihm das nervte, änderte er sein Auftreten zu einem seriöseren Stil und erschien zukünftig nur noch im dreiteiligen Anzug. Irgendwann war er verschwunden. Ob er sich mit dem Gericht versöhnt hatte oder nur der Gerichtsverhandlungen überdrüssig wurde ist nicht bekannt.

5. Schulklassen

Immer wieder mal täucht eine Schulklasse auf um im Rahmen des Politikunterrichts oder eines sonstigen Fachs vor Ort über das deutsche Rechtssytem zu informieren. Viele Richter wissen, dass es in Klassen immer einen Clown gibt und ein paar besonders Coole und nutzen die Pause zwischen zwei Verhandlungen um den Schülern klar zu machen, wie sie sich zu benehmen haben, was dann meist zu einem einigermassen ruhigen Verhandlungsverlauf führt, indem nur ab und zu mal ein Ordnungsgeld in Richtung der Schüler angedroht werden muss.

6. Der Gerichtsreporter

Jede lokale Zeitungen hat jemanden, der für die Gerichtsreportagen zuständig ist. Enweder kommt er auf gut Glück, es ist ein Prozess, der sowieso eine gewisse Öffentlichkeit hat oder aber eine der Parteien, die ihm versichert hat „das hier ein Unrecht sondergleichen passiert, über das die Öffentlichkeit unterrichtet werden muss“. Mal ist was dran, meist aber nicht.

5 Responses to “Wer Gerichtsverhandlungen zuschaut”

  1. Ach ja – den Überhörer gibt es auch noch. Aber der verdient einen eigenen thread.:-)

  2. Nureinstudent sagt:

    Wobei ich aus meiner Zeit in der Lokalredaktion einer Tageszeitung in einer deutschen Gróßstadt weiß, dass Gerichtsreporter der Job für die ganz hoffnungslosen Fälle ist, die man nicht mal mehr an die Speilberichte der Bezirksligafußballspiele ist. Entsprechend blumig und mit der ein oder anderen unabsichtlichen Stilblüte versehen lesen sich dann oft auch die Berichte.

  3. Wer seit drei Jahren die Gerichtsverhandlungen beobachtet, darüber im Internet – der gefährlichsten Einrichtung der Neuzeit – berichtet und meint, die Zensurzentralen entdeckt zu haben, wird von führenden Medienanwälten als Stalker beleidigt, mit an die hundert Abmahnungen überhäuft, und hamstert sich nach drei Jahren fast zwanzig Verfahren ein, die er mit einem halben Dutzend Anwälten abzuwehren versucht. Bisher recht erfolgreich. Bei weit weniger als der Hälfte der Abmahnungen wurden Verfügungen erlassen. Von den abgeschlossenen Sachen wurde 5 Mal absiegt und lediglich in zwei Sachen unterlag man den Tricks der eingefleischten Zensoren.

  4. AlterEgo sagt:

    Nunja, es gibt auch noch andere Motive bzw. Fallgruppen 😉

    Wenn ich nach Hause zu meinen Eltern fahre, machen mein Vater und ich uns gelegentlich den Spaß auch Gerichtsverhandlungen mal vorort zu beobachten. Nicht weils dort so schön warm ist, sondern weil es einfach meist recht interessant ist und auch interessante Gespräche dann im Anschluss geben kann. Das ist bei uns so eine Mischung aus Gruppe Rentner und rechtlich Interessierter (bzw. bald Betroffener *g*). Nach den 3-4 h dann noch schön im KaDeWe oder ähnlichen Orten essen gehen und schon hat sich der Urlaubstag meines Vaters gelohnt. Ich möchte hier nicht den Happening-Charakter bzw. Ausflugs-Charakter beschwören, aber in die Richtung geht es schon. Ich war wohl auch einer der wenigen, die das Gerichtspraktikum bei uns in vollen Zügen genossen haben *g*

    Dabei haben sich für mich doch interessante Beobachtungen gemacht. Z.B. werden in Berlin beim Arbeitsgericht fast nur Kündigungen verhandelt; hier an meinem Studienort im hessischen Idyll gehts dagegen fast nur ums Geld, weil die meisten dann bereits einen neuen Arbeitsplatz haben und daher nur noch um die passende Höhe der Abfindungen vor Gericht feilschen wollen. Auch die persönlichere Art vorm hiesigen (kleinen) Amtsgericht ist sehr interessant zur Massenabfertigung beim AG Tiergarten.

    Vielleicht schwinkt bei mir einfach auch die Vorfreude zum zukünftigen Einsatzort mit. 😉

  5. bazastron sagt:

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