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Auf der Seite „Not always right“ geht es um Gespräche zwischen Personal und Kunden und die merkwürdigen Forderungen oder Vorstellungen der Kunden bezüglich der Möglichkeiten des Personals oder des Produkts.

Dort findet sich auch ein Gespräch, dass ein deutscher Anwalt mit der Gegenseite geführt hat.

Der Rechtsanwalt hat eine Klage ausgebracht und das Gericht einen Termin angesetzt. Die Gegenseite (offensichtlich ein juristischer Laie) will nun von dem Rechtsanwalt wissen, ob sie zu dem Termin kommen muss. Dieser erklärt kurz, dass ein Urteil ergehen kann, wenn er nicht kommt und die Gegenseite den Prozess dann verliert. Und erinnert auch daran, dass er der Rechtsanwalt seiner Partei und nicht der Gegenseite ist. Nachdem der Gegner aber wiederholt fragt, ob er zwingend zu dem Prozess komnen muss, gibt er an, dass er dies nicht muss. Die Gegenseite gibt dann an, dass sie dann auch nicht kommen wird.

Ich meine der Kollege hat hier der Gegenseite alle erforderlichen Informationen gegeben und sich fair verhalten. Schließlich muss er die Gegenseite ja nicht beraten bis er sicher sein kann, dass sie es auch wirklich verstanden hat. Und die von ihm gemachten Angaben waren zutreffend und er hat auf die groben Folgen hingewiesen.

Was meint die werte Leserschaft? Sollte man sich überhaupt auf solche Gespräche mit der Gegenseite einlassen?

9 Responses to “Versäumnisurteil und Beratung durch den gegnerischen Rechtsanwalt”

  1. RA Munzinger sagt:

    Solche Situationen sind immer unbefriedigend und gefährlich.
    Der Kollege hat sich m.E. richtig verhalten.
    Die „Gegenseite“ mit ihrer „Geiz ist geil Mentalität“ hat den gerechten Lohn erhalten.

  2. Nureinstudent sagt:

    Ich bin zwar – wie aus meinem Nick ersichtlich – noch nicht in anwaltlicher Verantwortung, aber ich hätte glaube ich in dem Moment, als ich festgestellt habe, dass hier die Gegenpartei direkt dran ist, sofort aufgelegt.
    Denn was soll da Gutes aus dem weiteren Gespräch rauskommen?

    Bestenfalls bleibt wie hier ein etwas schaler Nachgeschmack beim Versäumnisurteil.
    Schlimmstenfalls erfährt meine Partei davon – denn einer so irrational vorgehenden Gegenpartei traue ich zu, sich auf dem Gerichtsflur laut damit zu brüsten, dass ich sie „auch beraten“ hätte. Und dann habe ich nicht unverdient einen Streit mit meiner Partei wegen anwaltlicher Pflichtverletzung möglicherweise inklusive Strafantrag wegen Parteiverrats.

    Und das wofür? Geld bekommt der Anwalt von der Gegenpartei ja nicht.

  3. studiosus juris sagt:

    Warum sagt der RA nicht einfach, dass er nur für Rechtsberatung seiner Partei zuständig ist?
    Auch wenn er erst die „richtige“ Info gegeben hat, durch die Nachfrage ließ sich ja erkennen, dass es der Gegenüber nicht verstanden hat. Und jemanden dann so an das Messer des Versäumnis-Urteils zu liefern…Naja, ich würde es „moralisch zweifelhaft“ nennen.

    Edit: Gerade die Quelle durchgelesen. Dort ist der Originalsinn m.E. etwas anders und kommt hier nicht so ganz rüber (kann man auch anders verstehen). Denn hier könnte man es so verstehen, wie wenn er am Ende gesagt hätte, dass es kein Versäumnisurteil gäbe. Also hat sich der RA hier richtig verhalten.

  4. Brandau sagt:

    @RA Munzinger
    Ja, finde ich auch immer eher unangenehm

    @Nur ein Student
    Die Gegenseite kann ja durchaus aus nachvollziehbaren Gründen anrufen, etwa um einen Vorschlag zu einer kurzfristigen Abwicklung zu machen („Sagen Sie mir was ich genau mit Zinsen und Kosten schulde, ich zahle, Sie nehmen die Klage zurück, ich stelle keinen Kostenantrag“) oder sie kann andere Fragen haben, die auf dem „kurzen Dienstweg“ erledigt werden können. Nicht jedes Gespräch mit der Gegenseite ist Parteiverrat. Ein Versäumnisurteil ist zudem ohne weitere Sicherungsmittel vollstreckbar, so dass es für den Mandanten in der Regel günstig ist, ein solches in den Händen zu haben. Insofern ist eine dahingehende „Beratung“ auch nicht zu Lasten des Mandanten.

    @studiosus juris
    Der Nachteil einer Zusammenfassung. Ein Hinweis auf das Versäumnisurteil erfolgt allerdings in dem Original am Ende auch nicht. Allerdings wird dabei deutlicher, dass es nur ein sehr kurzes Gespräch ist.
    Ich wäre mir aber auch im Original nicht sicher, ob die Gegenseite es richtig verstanden hat, auch wenn sie die wesentlichen Hinweise bekommen hat.

  5. ballmann sagt:

    Das Problem kenne ich als Richter auch.
    Immer wieder mal rufen anwaltlich nicht vertretene Beklagte an und fragen, ob sie zu dem Termin kommen müssen.

    Ich verweise dann immer auf die ausführliche Belehrung, die der Ladung beilag.

    Manche mögen/können aber wohl nicht lesen.

  6. Brandau sagt:

    @ballmann
    Als Richter sollte man ja auch noch vorsichtiger mit einer Rechtsberatung sein, sonst kommt gleich noch der Befangenheitsantrag.

  7. RA JM sagt:

    Wenn man sieht, wie engstirnig manche RA-Kammern das Umgehungsverbot des § 12 BORA auslegen, ist die die Nettigkeit des Kollegen fast schon etwas riskant.

  8. Brandau sagt:

    @RA JM
    Um den Kollegen zu umgehen muss man aber schon zumindest vermuten können, dass die Gegenseite anwaltlich vertreten ist. Dafür besteht ja hier kein Anhaltspunkt.

  9. Ich verweise auf anwaltliche Beratung – die der Herr Gegner dann bitte suchen und nehmen soll.:-)

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