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Mein Kollege und waren ich auf dem Weg in die Mittagspause. Da wir beide direkt aus dem Büro kamen hatten wir jeweils Anzüge an, er einen Dreiteiler in schwarz, ich einen Anzug in dunkelblau, jeweils mit Krawatte und Hemd, kurzum wir sahen auch aus als würden wir in einem Anwaltsbüro arbeiten.

Dachten wir zumindest.

Kurz vor der Gaststätte, in der wir zu Mittag essen wollten wechselten wir die Straßenseite und gingen dabei auch durch eine Reihe am Straßenrand abgestellter PKWs durch. Einer der PKWs war ein kleiner Kastenwagen, in dessen Fahrerhaus sicherlich gerade einmal ein Fahrer paßte. Der Wagen war überaus bunt mit Werbung für einen Pizzabringdienst beklebt, zu dessen Fuhrpark er wohl gehörte. Auch die abgebildete Pizza und der Comic-Koch, der diese aus dem Ofen zog machten deutlich, dass dieser nur der Auslieferung italienischer Teigwaren dienen konnte. Die Heckklappe stand offen und ragte leicht in eine Einfahrt hinein. Der diensteifrige Auslieferer wollte wohl auch nicht den kleinsten Zeitverlust und damit ein Abkühlen der Pizza riskieren und hatte sich so die Zeit gespart hatte, diese zu verschließen. Es ist anzunehmen, dass er soeben in einem der Hauser an der Straße war und dort nach Abgabe der Speisen seinen Lohn entgegenzunehmen.

Man stelle sich also nocheinmal das eindeutigste Pizzauslieferfahrzeug der Welt vor und zwei Herren im Anzug, die hinter diesem hervortreten und auf dem Bürgersteig weitergehen wollten. „Wollten“ schreibe ich, denn wir wurden durch eine laute, herrische Stimme hinter uns daran gehindert: „Hey, habt ihr nicht was vergessen?“

Ein kurzer Blick zurück zeigte eine Politesse, die mit wütendem Gesichtsausdruck neben dem geparkten Pizzawagen stand und auf die Heckklappe deutete. Ihr Gesicht machte deutlich, dass sie nicht gewillt war diese Blockade der Einfahrt hinzunehmen.

Ich muß zugeben, dass ich etwas verdutzt war. In meinem Kopf balgten diverse Fragen darum zuerst herauszudürfen: Wie wir beide in das Auto passen sollten zum Beispiel oder bei welchem Gourmetpizzadienst sie ihre Pizzen üblicherweise bestellt, dass diese ihr im Anzug gebracht wird. Ich bin auch kein Experte für Pizzalieferdienste, aber es paßte hinten und vorne nicht.

Gerade in diesem Moment ging ihr wohl auch auf, dass hier etwas nicht zusammenpaßt. Aus den zusammengepressten Lippen wurde ein verlegenes Lächeln gefolgt von „Ist wohl nicht ihr Wagen oder?“

8 Responses to “Rechtsanwalt und Pizzalieferant”

  1. Peter sagt:

    Ahh, welch Steilvorlage! Ich hätte ihr mit wutrotem Gesicht entgegengeschmettert: „Passt Ihnen etwa nicht wie ich parke?. Iss mir scheißegal, jetzt bleibe ich erst recht hier stehen!! Stecken Sie sich Ihr Knöllchen sonstwohin“ und dann schnell gegangen.
    Ja, ich weiß, ich bin ein böser Mensch. Aber ein bisschen Spaß muss sein 🙂

  2. dpms sagt:

    Toller Titel, aber wirre Geschichte, deren Pointe sich mir verschließt. Schade um die Zeit.

  3. Bert sagt:

    Einfach ignorieren, die hatte nur Hunger. Oder vielleicht lässt sie sich in solchen KFZ immer ihre eiligen Dressmen liefern? 😉

  4. Brandau sagt:

    @dpms
    Eine Pointe soll man ja nie erklären, insofern spare ich mir das hier auch.
    Woher allerdings die harte Wertung kommt (hatte Ihnen gerade jemand die Ausfahrt zugeparkt?) würde mich allerdings schon interessieren…

  5. dpms sagt:

    Okay, jetzt habe ich es verstanden. Die Bewertung meines Kommentars als harte Wertung kommt daher, dass ich früher als Anwalt selbst Pizza ausgeliefert habe, um mir das Porto für meine Briefe zu sparen, da ich so gleich direkt zustellen konnte.

    Was? Scherz, ja!

    Sie haben geschrieben: „In meinem Kopf balgten diverse Fragen darum zuerst herauszudürfen!“ Wenn ich jetzt schreibe, das ist eine kindische Geschichte, wäre ich gemein.

    Ich habe in meinem Blog (www.oby.de) leider selbst viel Unsinn stehen. Manchmal mag ich gar nichts mehr schreiben angesichts des ganzen Unsins auf dieser Welt.

    Nehmen Sie mir meine Kommentare bitte nicht übel – ich meine es ja gut

  6. Peter sagt:

    @dpms: Sie sind nicht zufällig ein Enkel von Marcel Reich-Ranicki?

  7. dpms sagt:

    Nein, zum Glück leider bin ich kein Ekel von RR.

    Ihre Formulierung mit den balgenden Gedanken ist schön und eine tolle Steilvorlage.

    Viel Glück!

  8. doppelfish sagt:

    Wie jetzt? Ekel oder Enkel? Das nennt man wohl einen Freud’schen Vertipper, was? (Sorry, aber diese Steilvorlage konnte ich einfach nicht auslassen :D)

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