Feed on
Posts
Comments

Alles war so schön. Wir hatten Klage erhoben, die Gegenseite hatte sich gleich bei uns gemeldet und umfassende Vergleichsverhandlungen angeboten. Es ging eine Weile hin und her und schließlich hatten wir uns fast auf einen Vergleich geeinigt, nachdem die Gegenseite ganz überwiegend die Forderung anerkennen würde.

Bildlich besprochen lag bereits die letzte überarbeitete Version des Vergleiches auf dem Tisch und gerade hatte die Gegenseite den Füller in die Hand genommen, noch einmal die Brille zurückgerückt und mit einem tiefen Seufzer diesen zur Unterschrift auf das Papier gesetzt.

Genau in diesem Moment meint das Gericht von der sonst üblichen Tradition abweichen zu müssen Hinweise erst in der Verhandlung zu geben und übersendet einen Hinweisbeschluss, der nahelegt, dass die Akte erst einer sehr oberflächlichen Prüfung unterzogen worden war und noch etwas Zeit in die Terminsvorbereitung investiert werden soll – der Hinweisbeschluss sieht nämlich die Position der Gegenseite entgegen der Einschätzung des gegnerischen Kollegen und meiner eigenen Einschätzung als durchaus gut an.

Natürlich wandelte sich sogleich der Seufzer zu einem feschen Grinsen und die Gegenseite zerriss – um im Bild zu bleiben – das nunmehr als unbillig empfundene vor ihr liegende Papier in kleinste Fetzen um uns diese mit stolzen Blick vor die Füße zu werfen.

Mal sehen, was man hier noch zusammenfegen und kitten kann.

Das Gericht wird sich auch ärgern. Hätte es geschwiegen, wäre es eine Akte ärmer gewesen.

Leave a Reply