Feed on
Posts
Comments

Jede Kanzlei hat ihren eigenen Weg Schriftsätze zu gestalten. Das fängt beim Briefkopf an, geht aber bei der Gestaltung des Textes, der Beweisantritte, der Absatzformatierung etc weiter. Irgendwie verinnerlicht man diese Art und assoziiert sie mit dem eigenen Vortrag. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier und es stört einen, wenn zB eine neue Sekretärin Sachen anders gestaltet als vorher, weil man sich beim schnellen Durchblättern der Akte auf bestimmte Merkmale konzentriert, die dann nicht vorhanden sind.

Bei uns wird zum Beispiel bei Schreiben an das Gericht ein kurzer Trennstrich zwischen den Kurzangaben zur Partei und dem Aktenzeichen eingefügt, den ich unbewußt suche, wenn ich in der Akte ein an das Gericht gerichtetes Schreiben suche. Fehlt dieser Strich, blättere ich beim ersten Suchen über das Schreiben hinweg. Automatismen erleichtern und beschleunigen eben die Bearbeitung.

Jetzt ist in einem Rechtstreit ein Kollege tätig, der früher einmal ebenfalls in der Kanzlei tätig war. Der Briefkopf ist natürlich anders, aber ansonsten könnte der Schriftsatz optisch und gestalterisch von uns sein. Ich glaube, wenn die Akte dicker wird, werde ich kein einziges Schreiben finden. Und man hat immer kurz das Gefühl sich bei der Beantwortung selbst zu widersprechen.

Wenn jemand seine Gegenseite irritieren will kann ich nur empfehlen, dessen Formatierung zu klauen. Unterbewußt irgendwie verwirrend.

6 Responses to “Formatklau und seine Folgen in anwaltlichen Schriftsätzen”

  1. Dafür werden bei uns Schriftsätze farblich markiert (diese kleinen Post-it Streifen). Blau sind unsere, rot die der Gegenseite, gelb vom Gericht und lila ist ZV. Funktioniert hervorragend!

  2. PR sagt:

    Dafür wird bei mir die Aktenkopie eigener Schriftsätze auf gelbem Papier gefertigt. Damit hab ich eigene Sachen immer sofort. Und da die Gerichte in meiner Umgebung HV-Protokolle meist auf rotem oder grünem Papier übersenden, wird die Akte zwar bunt, aber übersichtlich.

  3. A. K. sagt:

    Ich habe vor einigen Jahren mal ein Praktikum in einer Anwaltskanzlei gemacht. Dort wurde der Ausdruck für die eigene Akte auch auf farbigem Papier ausgedruckt. Das ist noch offensichtlicher als der Trennstrich an der richtigen Stelle.

  4. Brandau sagt:

    Das mit dem farbigen Ausdruck scheint recht verbreitet zu sein. Es klingt aber dennoch irgendwie aufwendig. Wobei man ja im Prinzip nur einen Drucker mit zwei Papierschächten braucht.

  5. RA JM sagt:

    @ Brandau: Über 15-jährige Erfahrung: Etwas aufwändiger, aber lohnend, so findie ich auch in der dicksten Akte meine eigenen Schreiben / Schriftsätze sofort – oder auch: Alles, was nicht gelb ist, kommt (meistens) von draußen.

  6. PR sagt:

    Eine weitere Variante hab ich letztlich gehört: Die ausgehenden Schreiben einmal normal und einmal mit einer, per Word-Makro hinzugefügten schwarzen Ecke rechts oben ausdrucken. Das soll auch beim Durchblättern helfen und spar jedenfalls den zweiten Papierschacht.
    Aber am übersichtlichsten ist nunmal das farbige Papier.

Leave a Reply

%d Bloggern gefällt das: