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Jeder Rechtsanwalt hat ein erstes Aufforderungsschreiben parat, dass im wesentlichen gleich ist und in das die Besonderheiten des Falles an passender Stelle eingepflegt werden.

Diese Aufforderungsschreiben enden meist mit einem Vorhalten der Folgen, bei mir eben mit dem Hinweis, dass nach Fristablauf ohne weitere Korrespondenz Klage erhoben werden wird. Jetzt habe ich in einem Schreiben eines Kollegen folgende Formulierung gefunden:

„….Sollte die vorstehende Frist indes fristlos verstreichen, wird unser Mandant den Rücktritt vom Kaufvertrag erklären. Dies hätte sodann zur Folge, dass Sie zur Rückzahlung des Kaufpreises Zug um Zug gegen Rückübereignung der Sache verpflichtet wären. Dies kann nicht in ihrem Interesse liegen?!

Noch haben Sie die Wahl – wählen Sie richtig!“

Mich persönlich schreckt da schon diese Kombination von Frage- und Ausrufezeichen ab. Was meinen die werten Leser?

8 Responses to “Endformeln in Aufforderungsschreiben”

  1. Ich meine: da hat jemand zu viele amerikanische Actionfilme gesehen. Stand „Man sieht sich immer zweimal im Leben!“ als Grußformel in dem Schreiben?

  2. RA JM sagt:

    Naja, immerhin originell und abseits vom üblichen langweiligen Mainstream.

    Die Kombination von von Frage- und Ausrufezeichen finde ich als Stilmittel durchaus akzeptabel und der Schlusssatz überlässt dem Gegner explizit die Wahl – warum auch nicht. ? 😉

  3. personaldebatte sagt:

    Das Beispiel mag stilistisch nicht ganz gelungen sein. Manchmal ist es aber ganz hilfreich, den – noch nicht vertretenen – Gegner in verständlichen Worten darauf hinzuweisen, dass echt Ärger droht, der noch vermieden werden kann.

  4. Julia Kull sagt:

    Ich musste grinsen beim Lesen und stimme personaldebatte zu. Im Ernst: Die typischen Anwaltssätze kann sowieso kein Mensch mehr lesen und im Sinne einer lebensnahen Auseinandersetzung, was passieren kann, wenn … , finde ich den Abschluss humorvoll und durchaus gelungen. Ich finde, (streitende) Menschen geben viel zu oft die Verantwortung ab an Richter (und Anwälte) anstand selbst zu denken und zu wählen. Die Aufforderung zum Denken mag da Abhilfe schaffen.

  5. Gerhard sagt:

    Deshalb gehöre ich nicht zu „jeder Rechtsanwalt“, der ein erstes Aufforderungsschreiben parat hat. Ich fertige jedes Aufforderungsschreiben individuell, angepaßt an den mutmaßlichen Horizont des Gegners.

  6. Leser sagt:

    Allein die Erklärung des Rücktritts verpflichtet nicht zur Rückübereignung. Von daher wäre mir diese Erklärung zu suggestiv. Sowas erwarte ich eher bei Inkassofirmen, die mit polnischen Kniescheibenbrecherbanden drohen, sollte man ihrer selbstverständlich berechtigten Forderung nicht wunschgemäß nachkommen.

  7. Axel John sagt:

    „Sollte die vorstehende Frist indes fristlos verstreichen,“
    Bescheidene Frage: Wann ist eine Frist fristlos verstrichen ???!!! 😉

  8. Köstlich! Hierfür muss man nicht amerikanische Filme schauen, ich habe derartige Schreiben schon von amerikanischen Kollegen gesehen. Tatsächlich mag dies für den Empfänger einfacher zu verstehen sein, als ein im Juristendeutsch gehaltenes Mahnschreiben. Und auf dessen Verständnis kommt es ja schliesslich an….
    Nadja

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