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Es schreibt der Rechtsanwalt der Gegenseite:

…möchte ich klarstellen, dass ich es für angebracht erachte, dass sich Ihre Mandantschaft zur Vermeidung von Weiterungen umgehend Gedanken über ein Anerkenntnis der Klageforderung und Rücknahme der Widerklage machen sollte. Ich erinnere daran, dass Sie freies Organ der Rechtspflege sind und daher Konsequenzen aus den pauschalen Behauptungen Ihrer Mandantschaft ziehen müssen.

Das der Anwalt ein unabhängiges Organ der Rechtspflege ist ergibt sich aus § 1 BRAO, der dies ausdrücklich so erklärt. Daraus hergeleitet wird, dass der Rechtsanwalt nicht nur seinem Mandanten verpflichtet ist, sondern auch der Rechtsordnung. Gemeinsam mit Richter und ggfs. Staatsanwalt und diesen insoweit gleichgeordnet soll er der Rechtspflege dienen. Er darf daher nicht bewusst die Unwahrheit vortragen.

Genau das Merkmal „bewußtes Vortragen von Unwahrheiten“ ist aber der entscheidende Punkt. Das die Parteien sich widersprechen ist in den allermeisten Verfahren so. Deswegen trägt man als Rechtsanwalt nicht falsch vor. Der Rechtsanwalt kann auch den Ausführungen seiner Mandanten vertrauen soweit diese nicht gegen Denkgesetze verstoßen. Was hier keineswegs der Fall ist. Es geht um Gespräche, die vor 4-5 Jahren stattgefunden haben. Es wird wohl niemand mehr herausfinden, was wer genau gesagt hat und das Gedächtnis ist – zumal im Nachhinein – zu erstaunlichen Filterungen in der Lage. „Bewußter Falschvortrag“ durch den Rechtsanwalt ist hier daher ganz gewiß nicht erfolgt. Insofern geht der Hinweis des Kollegen auf meine unabhängige Stellung als Organ der Rechtspflege und damit auch der in dem Hinweis implizierte Vorwurf gegen mich ins Leere.

Ich könnte jetzt in einem ähnlichen Ton zurückschreiben  Aber erstens bringt es nichts und zweitens empfinde ich es als schlechten Stil solche persönlichen Angriffe gegen einen Kollegen zu richten.

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