Feed on
Posts
Comments

„Die Mutter ist sicher, der Vater unsicher“ (mater certa, pater incertus est) gaben schon die alten Römer vor. Diese Unsicherheit ist bis heute geblieben. Um dennoch einen Vater festlegen zu können arbeitet das Gesetz mit Vermutungen:

§ 1592 BGB Vaterschaft

Vater eines Kindes ist der Mann,
1. der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter des Kindes verheiratet ist,
2. der die Vaterschaft anerkannt hat oder
3. dessen Vaterschaft nach § 1600d oder § 640h Abs. 2 der Zivilprozessordnung gerichtlich festgestellt ist.

1. Eheliche Geburt

Die erste gesetzliche Vermutung ist die, dass der derjenige, der mit der Mutter verheiratet ist, auch der Vater des Kindes sein wird. Während der Ehe ist das Kind geboren, wenn es nach dem Tag der Eheschließung und vor einer Auflösung der Ehe auf die Welt gekommen ist. Der Zeugungszeitpunkt ist unerheblich, was bereits zeigt, dass die Vermutung auch dem Familienfrieden dienen soll, auch wenn gegebenfalls Kinder einem falschen Vater zugeordnet werden. Sonderregelungen hierzu enthält § 1593 BGb bezüglich einer Vaterschaftsvermutung bei Auflösung der Ehe durch Tod.

2. Vaterschaftsanerkennung

Sind die Eltern nicht miteinander verheiratet kann der Vater das Kind anerkennen. Die weiteren Regelungen finden sich in den §§ 1594 BGB. Diese sehen insbesondere vor, dass eine Anerkennung nicht erfolgen kann, solange die Vaterschaft eines anderen Mannes besteht. Eine bestehende Vaterschaft müßte demnach angefochten werden. Die Anerkennung bedarf zudem gemäß § 1595 BGB der Zustimmung der Mutter. Verweigert die Mutter die Zustimmung kann eine Vaterschaftsanerkennung nicht erfolgen.Es bleibt dann nur die gerichtliche Feststellung der Vaterschaft

3. Gerichtliche Feststellung der Vaterschaft

Das Verfahren zur gerichtlichen Feststellung der Vaterschaft ist in § 1600 d BGB geregelt:

§ 1600d BGB Gerichtliche Feststellung der Vaterschaft

(1) Besteht keine Vaterschaft nach § 1592 Nr. 1 und 2, § 1593, so ist die Vaterschaft gerichtlich festzustellen.

(2) Im Verfahren auf gerichtliche Feststellung der Vaterschaft wird als Vater vermutet, wer der Mutter während der Empfängniszeit beigewohnt hat. Die Vermutung gilt nicht, wenn schwerwiegende Zweifel an der Vaterschaft bestehen.

(3) Als Empfängniszeit gilt die Zeit von dem 300. bis zu dem 181. Tage vor der Geburt des Kindes, mit Einschluss sowohl des 300. als auch des 181. Tages. Steht fest, dass das Kind außerhalb des Zeitraums des Satzes 1 empfangen worden ist, so gilt dieser abweichende Zeitraum als Empfängniszeit.

(4) Die Rechtswirkungen der Vaterschaft können, soweit sich nicht aus dem Gesetz anderes ergibt, erst vom Zeitpunkt ihrer Feststellung an geltend gemacht werden.

Auch das gerichtliche Verfahren stützt sich demnach zunächst einmal auf eine Vermutung. Hierbei wird bei Geschlechtsverkehr der zeitlich zur Geburt des Kindes paßt im Prinzip eine Vorauswahl vorgenommen, der eigentlich Beweis wird meist durch ein Vaterschaftstest, also durch ein Sachverständigengutachten erbracht.

4. Vaterschaftstest außerhalb des gerichtlichen Verfahrens

Ein Vaterschaftstest bzw. eine genetische Abstammungsuntersuchtung kann auch außerhalb dieser Verfahren verlangt werden, beispielsweise wenn ein bereits „anerkannter“ Vater sicher gehen will, dass das Kind von ihm ist. Das Verfahren ist in § 1598 a BGB geregelt (zu dieser Art von Vaterschaftstest siehe hier).

2 Responses to “Wer ist der Vater eines Kindes? – Vaterschaftsanerkennung und gerichtliche Feststellung”

  1. papatest24 sagt:

    Vor einer Vaterschaftsanerkennung bietet es sich unter Umständen an, zunächst einen privaten Vaterschaftstest vornehmen zu lassen. Dieser ist zwar im Regelfall nicht vor Gericht zu verwenden, ist aber wesentlich preisgünstiger und unkomplizierter als ein gerichtlich zu verwendender Test. Ein privater Vaterschaftstest gibt den beteiligten Personen die Sicherheit, die Vaterschaft ruhigen Gewissens anzuerkennen oder eben nicht.

  2. Gerade bei diesem Thema gibt es so viele unterschiedliche Konstellationen (wer ist sich unsicher, wer will wen übers Ohr hauen) bei gleichzeitig solch lebensentscheidenden Ergebnissen. Das bei allen ethischen Gegebenheiten in möglichst alle Situationen abdeckende Paragraphen zu pressen nötigt schon Respekt ab.

    Am Ende sollte der Mann auch seinen Stolz zum Wohle seiner Familie hinten anstellen. Aber Sicherheit hat trotzdem jeder verdient – und dafür sind die privaten Vaterschaftstests auch da.

Leave a Reply

%d Bloggern gefällt das: