Feed on
Posts
Comments

Aus Amerika erreicht uns die Nachricht, dass ein Vater eingesperrt wurde, weil seine Tochter den High School Abschluß nicht geschafft hat.

Die Tochter ist wohl eine überaus erfolgreiche Schwänzerin, weswegen ein Gericht ihn verurteilte dafür zu sorgen, dass seine 19-jährige Tochter die Schule besucht und dort auch ihren Abschluß besteht. Als sie dies nicht schaffte verurteilte das Gericht den Vater zu einer Gefängnisstrafe von 180 Tagen.

Die Tochter und die Mutter verstehen es nicht:

Brittany Gegner, who said Monday that she plans to take a required GED test this month, said her father shouldn’t be blamed for her failure because she has been living with her mother.

„It was my wrongdoing, not his,“ said Brittany Gegner, whose fiance and 18-month-old daughter also live at her mother’s home in nearby Hamilton. „He shouldn’t have to go to jail for something I did.“

Her mother agrees.

„Brittany is almost 19 years old now and I think it’s unfair to put her father in jail,“ said Shana Roach. „She’s an adult now, and it’s not right to rip an innocent man from his home.“

Quelle: AP

Besonders interessant finde ich die fett markierte Stelle. Die Tochter lebt bei der Mutter, aber der Vater wird eingesperrt, weil sie die Schule schwänzt. Aus Sicht des deutschen Rechts wäre schon das Einsperren nicht verständlich, um so weniger das Einsperren desjenigen, bei dem das Kind nicht lebt.

Im Endeffekt dürfte damit niemanden gedient sein. Zumal der Mann so wie ich das verstehe auch noch einen Job hat und demnach vielleicht sogar Unterhalt für die Tochter zahlt (das ist allerdings Spekulation)

Brian Gegner’s wife, Stephanie Gegner, said she and her husband are afraid he will lose his job if he remains in jail. She said they tried to keep his daughter in school.

Aber andere Länder, andere Sitten. Vielleicht findet sich auf USA erklärt eine nähere Erklärung.

7 Responses to “Vater eingesperrt weil Tochter ihren Schulabschluß nicht schafft”

  1. Thomas sagt:

    Ich habe manchmal das Gefühl, daß in den USA das Schuldprinzip teilweise unbekannt ist. Wenn man das Nicht-in-die-Schule-Gehen der Tochter als „objektive Bedingung der Strafbarkeit“ angesehen wird, dann kann man Papa natürlich einsperren.Und mir der Frage, was er denn hätte tun können, um seine 19jährige Tochter zum Schulbesuch zu bewegen, muß man sich nicht mehr auseinandersetzen…

    Wobei man dazu aber sagen muß, daß die Medien bei der Darstellung juristischer Sachverhalte in aller Regel äußerst unzuverlässig bzw. ungenau sind. Was wirklich dahinter steht, ist schwer zu beurteilen.

  2. doppelfish sagt:

    Haben denn die Eltern hierzulande gar keine Konsequenzen zu fürchten, wenn die Kinder die Schule schwänzen? Also, zumindest auf dem Papier … ob das in der Praxis durchgesetzt werden kann, ist sicherlich eine ganz andere Frage.

    Übrigens, ein „Daumen hoch!“ für den Link auf „USA erklärt“. Bevor man Sätze ausspricht, die mit „Alle Amerikaner …“ beginnen, sollte man da mal reinschauen.

  3. Brandau sagt:

    @Thomas: Das stimmt, ich rege mich häufig genug über die Darstellung von deutschen Urteilen in den Medien auf, da sollte ich eigentlich vorsichtiger sein mit der Kritik ausländischer Urteile

    @doppelfish
    Doch, auch wenn sie hier schwänzen kann man Konsequenzen ziehen. Allerdings nicht mehr bei 19jährigen. Und eine Gefängisstrafe von einem Schulabschluß abhängig zu machen sollte auch nicht möglich sein. Hier kommt mir aber insbesondere merkwürdig vor, dass sie nicht die Mutter in die Pflicht genommen haben. Bei der lebt die Tochter ja immerhin.
    Und „USA erklärt“ ist einfach ein klasse Blog, keine Frage.

  4. doppelfish sagt:

    Ah, ich hatte das Alter der jungen Dame nicht beachtet.

  5. Urs Bleiker sagt:

    Ich verstehe den Hinweis auf Amerika ehrlich gesagt überhaupt nicht! In Europa gilt genauso der Grundsatz, dass im Zweifelsfall immer der Mann Täter und die Frau Opfer ist. Schliesslich ist die Gleichberechtigung der Geschlechter in den entsprechenden Verfassungen überall zwingend vorgeschrieben und ebenso herrscht in der Rechtspraxis völlige Einigkeit darüber, dass diese Verfassungsnorm immer zulasten von Männern und immer zugunsten von Frauen auszulegen ist! Mich als juristischer Laie erstaunt daher etwas, dass ausgerechnet hier auf einer Anwaltswebsite Unkenntnis darüber herrscht, dass diesbezüglich kein Unterschied zwischen dem amerikanischen und dem europäischen Recht besteht!

  6. Brandau sagt:

    Mir sind durchaus die Fälle beispielsweise des Umgangs- und Sorgerecht bekannt, bei denen der EGMR Nachbesserungen angefordert hat. Auch die Entscheidung eines deutschen Gerichtes, bei dem die Eltern aus Religionsgründen ihr Kind nicht auf eine öffentliche Schule gehen lassen wollten und bei dem ebenfalls der Vater in „Beugehaft“ genommen wurde, obwohl die Mutter genauso mitverantwortlich war (Hier war er aber auch derjenige, der eine Schulteilnahme der Kinder verhinderte und die Frau betreute soweit ich es in Erinnerung habe die restlichen Kinder, was der von beiden gewollten Arbeitsaufteilung entsprach). Gleichwohl teile ich ihre doch sehr düstere Einschätzung nicht. Viele Richter sind bemüht im Rahmen der Gesetze gerechte Entscheidungen zu fällen und berücksichtigen dabei auch Art. 3 GG zu Gunsten des Mannes. Ich nehme an, dass sie mit einem Schwung anderer Besucher über den Link bei genderama auf diese Seite gekommen sind und daher eher die Ansichten des Herrn Hoffmann teilen. Leider, insoweit ist ihrer Kritik zuzustimmen, ist das Familienrecht ein Gebiet, in dem ein eher langsamer Wandel eintritt. Die Unterhaltsrechtsreform mit ihrer stärkeren Erwerbsobliegenheit etc ist aber sicherlich schon ein Schritt in die richtige Richtung. Abseits vom Thema meine ich aber, dass man sich mit Argumenten wie „in der Rechtspraxis (herrscht) völlige Einigkeit darüber, dass diese Verfassungsnorm immer zulasten von Männern und immer zugunsten von Frauen auszulegen ist“ einer konstruktiven Argumentation verschließt und damit – ungeachtet aller berechtiger Anliegen – zu leicht zum Extremisten abstempeln läßt, auf dessen Argumente nichts zu geben ist. Das schadet letztendlich auch den von Ihnen erstrebten Zielen.

  7. Urs Bleiker sagt:

    Besten Dank für Ihre konstruktive Antwort! Sämtlich Urteile des Schweiz. Bundesgerichts im Zusammenhang mit Art. 8 BV (Diskriminierungsverbot aufgrund des Geschlechts) lassen sich unter dem Motto „gilt nur für die Frau, nicht für den Mann“ problemlos auf einen Punkt bringen (Wehrpflicht, Rentenalter, Witwenrenten, Sorgerecht, etc.). Weder bemühen sich die Richter, sich an die Gesetze zu halten (vielmehr brechen sie diese mit ihrem Unwillen, sich an den Wortlaut von Art. 8 BV zu halten, gleich selber schamlos) noch um das, was ich als „gerecht“ bezeichnen würde. Es ist mir bewusst, dass diese Kritik in unserer Gesellschaft als sehr extrem, ja sogar als ungehörig oder unanständig gilt. „Extrem“ ist, was nicht der Norm entspricht. Meine Auffassung, wonach ein Diskriminierungsverbot aufgrund des Geschlechts, was nur in Anspruch genommen werden kann, wenn man das richtige Geschlecht besitzt, völlig absurd ist und einen in sich geschlossenen Widerspruch darstellt, mag den meisten Zeitgenossen absonderlich und den meisten Juristen als fachlich schlicht unqualifiziert erscheinen. Tatsächlich aber stellt sich hier aber der gesunde Menschenverstand verblendetem Zeitgeist und degeneriertem Winkeladvokatentum entgegen!

Leave a Reply

%d Bloggern gefällt das: