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„Wie kann man die Scheidung möglichst günstig gestalten?“ Nachdem wir dargestellt haben, dass die Onlinescheidung kein Garant dafür ist sollen hier die Möglichkeiten dargestellt werden, wie man über andere Wege eine günstige Abwicklung hinbekommt.

Wie bereits hier dargelegt sind viele der anfallenden Gebühren durch das Gesetz verbindlich geregelt. Reduzierungen sind über folgende Wege möglich:

  • möglichst wenig gerichtlich austragen
  • möglichst nur einen Anwalt beschäftigen
  • soweit ein zweiter Anwalt erforderlich ist dessen Tätigkeiten auf ein Minimum reduzieren

Aus dem oben gesagten folgt bereits, dass nicht jede Scheidung für diese Reduzierungsmöglichkeiten geeignet sind. Um so weiter die Eheleute finanziell auseinander liegen – sowohl was das Einkommen als auch das Vermögen betrifft – und um so mehr Emotionen beteiligt sind um so eher wird es zu Streit kommen, der nicht unkompliziert beigelegt werden kann. Eine Scheidung erfordert dann auf jeder Seite einen Anwalt, der sich für die Interessen seines Mandanten einsetzt. Aber soweit die Eheleute noch bereit sind bestimmte Sachverhalte sachlich zu besprechen und soweit noch ein gewisses Vertrauen vorhanden ist kann Geld gespart werden

1. Reduzierung der Anwaltskosten

Eine Reduzierung der Anwaltskosten kann erfolgen, indem nur ein Anwalt mit dem Scheidungsverfahren beauftragt wird. Allerdings ist der Anwalt dann nicht Anwalt beider Ehegatten sondern muss klarstellen, dass er nur eine der beiden Seiten vertritt. Denn ein Rechtsanwalt kann sich des Parteiverrats strafbar machen, wenn er in einem Verfahren beide Seiten vertritt:

§ 356 StGB

(1) Ein Anwalt oder ein anderer Rechtsbeistand, welcher bei den ihm in dieser Eigenschaft anvertrauten Angelegenheiten in derselben Rechtssache beiden Parteien durch Rat oder Beistand pflichtwidrig dient, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

Allerdings ist nur ein Rechtsanwalt erforderlich um ein Scheidungsverfahren einzuleiten. Gemäß § 78 ZPO herrscht zwar in diesem Verfahren Anwaltszwang, dies bedeutet aber, dass Prozesshandlungen nur durch einen Anwalt durchgeführt werden, eine solche ist aber nur der Scheidungsantrag. Der andere Ehegatte gegen den sich der Scheidungsantrag richtet, muss keinen eigenen Antrag stellen und braucht demzufolge auch keinen Anwalt. Demnach kann man die Gebühren für den zweiten Anwalt sparen, dass setzt aber ein gewisses Vertrauen voraus, da dann bestimmte vielleicht für den nicht vertretenen Ehegatten günstigen Schritte unterbleiben.

Diesen Verfahren kann angewandt werden, wenn keine eigenen Anträge durch den anderen Ehegatten zu stellen sind. Soll die Scheidung möglichst schnell wirksam werden, dann ist es allerdings erforderlich, dass auf Rechtsmittel gegen das Scheidungsurteil verzichtet wird. Diese Handlung erfordert aber wegen des Anwaltszwanges in dem Verfahren, dass ein zweiter Anwalt hinzugezogen wird. Dieser kann dann aber nur mit der Ausübung des Verzichtes auf Rechtsmittel beauftragt werden. Da die Beauftragung einen geringeren Umfang hat fallen hierfür auch deutlich weniger Gebühren an.

2. Verlagerung von Streitigkeiten in den außergerichtlichen Bereich

Ein weiteres Mittel zu Kostenreduzierung ist die Verlagerung von Kosten in den außergerichtlichen Bereicht. Es können beispielsweise in einem Ehevertrag bzw. in einer Scheidungsfolgenvereinbarung viele Bereiche vorab geregelt werden. Hier ist dann eine Gebührenvereinbarung möglich wodurch günstigere Gebühren anfallen und Gerichtskosten gespart werden.

Teilweise muss dieser Vergleich durch das Gericht noch genehmigt werden um eine staatliche Kontrolle zu ermöglichen um so ungünstige Verträge zu vermeiden. Aber die Einzelheiten müssen hierbei für jeden Fall gesondert besprochen werden.

3. Reduzierung des Streitwerts

Rechtsanwaltsgebühren und Gerichtskosten bemessen sich nach dem Gegenstandswert, also einen Wert aller behandelter Streitpunkte. Dem Gegenstandswert sind bestimmte Gebühren zugeordnet anhand derer sich die entstehenden Kosten berechnen lassen (Die Berechnung von Rechtsanwaltskosten wird noch Gegenstand eines eigenen Artikels sein. Vorerst ein Verweis auf einen Artikel im Law-blog).

Bei einfach gelagerten Fällen nehmen Gerichte teilweise eine Reduzierung des Gegenstandswertes um 25% an. Dies senkt dann auch die Rechtsanwaltsgebühren und die Gerichtskosten. Eine solche Absenkung hat beispielsweise das OLG Düsseldorf für einige Fälle für möglich gehalten (vgl. Beschluss vom 17.03.1999, Az. 5 WF 222/98).

7 Responses to “Die günstige Scheidung – wie kann man sie erreichen?”

  1. Bach sagt:

    haben sie diese tipps auch als video zur verfügung? [Anmerkung: Spamlinks rausgenommen]

  2. Brandau sagt:

    Nein, obwohl ich Videos als Beratung durchaus interessant finde. Mal sehen was die Zukunft bringt.

  3. […] dazu die man die Scheidung möglichst billig […]

  4. Weber sagt:

    Könnten Sie den Tenor des OLG Beschlusses kurz wiedergeben, bzw haben Sie den Beschluss auf Ihrer Seite verlinkt?
    Leider finde ich den Beschluss weder im Internet, noch auf der Seite des OLG Düsseldorf.
    Vielen Dank für Ihre Hilfe

  5. Brandau sagt:

    Der Orientierungssatz lautet:

    „In einem Scheidungsverfahren kommt bei einer einfachen Verfahrensgestaltung allenfalls dann ein Abschlag auf den Streitwert in Höhe von 25% in Betracht, wenn es sich um eine einverständliche Scheidung gemäß ZPO § 630 handelt oder aber die 3jährige Trennungsfrist des BGB § 1566 Abs 3 erfüllt ist.“

    Der Tenor lautet:

    „Auf die Beschwerde des Prozeßbevollmächtigten der Antragsgegnerin wird der Streitwert für die Ehesache in Abänderung des Beschlusses des Amtsgerichts Grevenbroich vom 21.10.1998 auf 13.500 DM festgesetzt. „

    Aus der Begründung:

    „Der Senat hat in der Vergangenheit Abschläge wegen einfacher Verfahrensgestaltung in Höhe von 25 % des Ausgangswertes in Erwägung gezogen, wenn die Voraussetzungen des § 630 ZPO (einverständliche Scheidung) oder des § 1566 Abs. 2 BGB (dreijährige Trennung der Ehegatten) erfüllt waren (Beschlüsse vom 05.12.1983, 14.07.1987 und 05.10.1993 – 5 WF 270/83, 5 WF 54/87 und 5 WF 124/93). Er sieht keinen Anlaß, diese Anforderungen weiter einzuschränken und einen Abschlag unter weniger strengen Voraussetzungen zuzulassen (vgl. dazu auch Johannsen/Henrich, Eherecht, 3. Aufl., § 606 ZPO Rdnr. 33; Schneider/Herget, a. a. O.).“

  6. Ronny sagt:

    Wir sind nun 5 Jahre getrennt und wollen es nun so einfach und billig wie möglich über die Bühne bringen .
    Sorgerecht und Unterhalt für das eine Kind ist auch geklärt !
    Wir haben auch seid 5 Jahren getrennte Wohnungen und jeder ein Job !
    Sie wohnt ca 650 km entfernt und ich sehe auch regelmäßig mein Sohn!
    Was muss ich tun ???

  7. Pukala Cecylie sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich habe heute im Google viel Zeit verbracht, um festzustellen,
    dass es billiger ist sich scheiden zu lassen und dann wieder zu heiraten als die Auhebung des Guettervertrages. Ist das nicht grotesk!

    Mit freudlichen Gruessen
    Ceczlia Pukala

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