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Das bisherige von der Rechtsprechung entwickelte Altersphasenmodell sah bezüglich der Frage, ab welchem Alter des Kindes dem betreuenden Elternteil eine eigene Erwerbstätigkeit zugemutet werden kann, eine Abstufung nach dem Alter des Kindes vor.
Die bisherige Regelung lautete (mit Abweichungen bei den verschiedenen Oberlandesgerichten):

  • Geburt bis Ende 2. Klasse: Keine Erwerbstätigkeit
  • ab dritter Grundschulklasse: halbschichtig
  • ab 12 (teilweise ab 15): vollschichtig

Nunmehr wurde § 1570 BGB geändert. Die gegenwärtige Form nach der Unterhaltsreform lautet:

㤠1570
Unterhalt wegen Betreuung eines Kindes

(1) Ein geschiedener Ehegatte kann von dem anderen wegen der Pflege oder Erziehung eines gemeinschaftlichen Kindes für mindestens drei Jahre nach der Geburt Unterhalt verlangen. Die Dauer des Unterhaltsanspruchs verlängert sich, solange und soweit dies der Billigkeit entspricht. Dabei sind die Belange des Kindes und die bestehenden Möglichkeiten der Kinderbetreuung zu berücksichtigen.

(2) Die Dauer des Unterhaltsanspruchs verlängert sich darüber hinaus, wenn dies unter Berücksichtigung der Gestaltung von Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit in der Ehe sowie der Dauer der Ehe der Billigkeit entspricht.“

Demnach ist zunächst nur sicher, dass bis zum dritten Lebensjahr des Kindes keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen werden muss. Diese Klausel wurde auf Drängen der CDU eingebracht, damit diese drei Jahre zumindest gesichert sind. Eigentlich sollte damit der Grundbestand von drei Jahren gesichert sein, eine Reduzierung auf drei Jahre war aber nicht vorgesehen.

Es bleibt aber abzuwarten, wie sich die Rechtsprechung hierzu entwickelt. Die drei Jahre bilden nunmehr die Regel und verleiten dazu, dass nach diesen drei Jahren eine weiteres Aussetzen als Ausnahme verstanden wird, die gesondert begründet werden muß.

Es wird in jedem Fall in Zukunft nicht mehr auf starre Altersgrenzen abzustellen sein sondern eine Einzelfallbetrachtung anstehen, bei dem die Situation vor Ort und die bestehenden Möglichkeiten der Kindesbetreuung bewertet werden müssen.

5 Responses to “Alter des Kindes und eigene Arbeit – Gilt das Altersphasenmodell noch?”

  1. […] die Kinder fremdbetreuen lassen kann und daher nunmehr einer Arbeit nachgehen kann. Das vorherige Altersphasenmodell sah hier günstigere Zeiten vor. Auch möglich ist, dass der geringere Unterhalt an dem […]

  2. […] Bei dem Unterhalt wegen Betreuung eines Kindes finden sich die diesbezüglichen Regelungen in § 1570 BGB, der insbsondere verlangt die Möglichkeiten der Kinderbetreuung bei der Dauer des Unterhaltsanspruchs zu berücksichtigen (siehe auch den Artikel “Kinderbetreuung und eigene Arbeit“). […]

  3. […] die Neuregelung des § 1570 BGB ist das bisher bestehende Altersphasenmodell nicht mehr anwendbar. § 1570 BGB sieht vor, dass wegen der Betreuung des Kindes bis zum dritten […]

  4. […] für 3 Jahre nach der Geburt des Kindes garantiert. Hiernach kommt es darauf an, inwieweit eine Fremdbetreuung zumutbar […]

  5. […] hat er einem reinen Altersphasenmodell eine deutliche Absage erteilt.  Gerichte wie zB das OLG Hamm haben ein abgewandeltes […]

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