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Was erbt man als Ehefrau / Ehemann wenn der Partner stirbt? Gemäß § 1931 BGB erbt der Ehegatte, der den Anderen überlebt als gesetzlicher Erbe.

1. Quoten des Ehegatten beim Erbfall

Dabei erbt der Überlebende wie folgt:

  • neben Erben erster Ordnung: zu einem Viertel, § 1931 BGB
  • neben Erben zweiter Ordnung oder neben Großeltern: zur Hälfte, § 1931 BGB
  • Bei Vorversterben der Großeltern schließt der Ehegatte Abkömmlinge von der Erbfolge aus. Demnach erhält er die Hälfte des Erbes und bei Tod eines jeden weiteren Ehegattens ein weiteres Achtel (§ 1931 I S. 2 BGB).

2. erbrechtliche Lösung

DIe weitere Quote hängt davon ab, in welcher Form der Zugewinn berücksichtigt wird . Hier steht dem überlebenden Ehegatten ein Wahlrecht zu. Er kann entweder den Zugewinn pauschal als Teil des Erbes behandeln lassen (erbrechtliche Lösung) oder aber den Zugewinn berechnen lassen (sog. güterrechtlich Lösung)

Wählt der Ehegatte die erbrechtliche Lösung so erhöht sich sein Ehegattenerbteil um ein weiteres Viertel. Hierneben bestehen keine weiteren Zugewinnansprüche. Dies würde folgen Quoten bedeuten:

  • neben Erben erster Ordnung: 1/2
  • neben Erben zweiter Ordnung und dritten Ordnung: 3/4

Unerheblich ist, ob die Ehegatten in dieser Zeit überhaupt einen Zugewinn erzielt haben bzw. ob ein Zugewinnausgleichsanspruch entstehen würde. Es handelt sich um eine pauschale Abgeltung des Zugewinns. Diese Vorgehensweise lohnt sich also insbesondere bei einer kurzen Ehe, da in dieser üblicherweise kein Zugewinn angefallen ist. Ein weiterer Fall ist ein sehr hohes Anfangsvermögen, das innerhalb der Ehe nicht gestiegen ist.

3. güterrechtliche Lösung

Die andere Möglichkeit ist, das Erbe auszuschlagen (§ 1371 III BGB) und den Zugewinn wie sonst auch üblich zu berechnen. Die gleiche gilt falls der Ehegatte enterbt wird und auch kein Vermächtnis erhält. Der Güterstand der Ehegatten wurde durch den Tod beendet. Es kann daher Ausgleich gemäß der §§ 1373 ff BGB verlangt werden. Dabei ist die Zugewinnforderung Nachlassverbindlichkeit, kann also gegenüber der Erbengemeinschaft geltend gemacht werden, § 2303 II BGB. Dies kann den Vorteil haben, dass eine langwidrige Auseinandersetzung innerhalb der Erbengemeinschaft vermieden werden kann.

Neben dem Ausgleich des Zugewinns kann der Ehegatte, der nicht Erbe geworden ist den Pflichtteil verlangen. Üblicherweise erhält der Ausschlagende keinen Pflichtteil, ein diesbezügliches Wahlrecht ist aber in § 1371 III BGB vorgesehen. Dabei wird lediglich nach der Grundregel des § 1931 BGB vorgegangen, die Erhöhung nach § 1371 BGB wird also nicht berücksichtigt (sog. kleiner Pflichtteil). Dies folgt schon daraus, dass § 1371 BGB eine pauschale Abgeltung des Zugewinns darstellt und damit die güterrechtlichen Ansprüche doppelt berücksichtigt würden, wenn der Zugewinn einmal konkret und dann noch einmal pauschal berücksichtigt wird. Der Pflichtteil entspricht dabei dem halben gesetzlichen Erbteil, demnach ergeben sich folgende Quoten

  • gegenüber Erben erster Ordnung: 1/8 des Nettonachlasses
  • gegenüber Erben zweiter Ordnung: 1/4 des Nettonachlasses

Zu berücksichtigen ist dabei, dass der Pflichtteil nicht bedeutet, dass man Erbe wird. Es ist also nicht das Erbe aufzuteilen, sondern es besteht ein in Geld auszugleichender Anspruch in Höhe des Betrages, der dem anteiligen Wert des jeweiligen Nettonachlasses entspricht.

Diese Variante ist insbesondere dann günstiger, wenn das Vermögen innerhalb der gemeinsamen Ehe aufgebaut wurde und ein hoher Ausgleichsanspruch bestehen würde. Demnach sollte bei entsprechenden Konstellationen sowohl der Zugewinn als auch der Erbfall durchgerechnet werden.

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