Feed on
Posts
Comments

Ein Testament zu erstellen ist nicht schwierig. Man muß lediglich einen handschriftlichen Text aufsetzen, mit Datum und Unterschrift versehen und schon kann der undankbare Sohn oder die undankbare Tochter enterbt sein.

Dazu reicht beispielsweise der handschriftliche Text:

Testament

Hiermit enterbe ich meinen Sohn Hans Mustermann, weil er mich nie besucht hat und mich auch nicht versorgt hat als ich krank war, obwohl er einen Schlüssel zu meiner Wohnung hatte und nebenan wohnt

Siegen, den 6.04.2008
Maria Musterfrau

Ein solches Testament ist grundsätzlich wirksam und führt dazu, dass die übrigen Erben (vielleicht andere Kinder) alleinige Erben werden und Hans allenfalls noch seinen Pflichtteil geltend machen kann.

Das Problem ist, dass Hans vielleicht der erste ist, der die Wohnung nach dem Tod der Mutter betritt. Er wohnt ja nebenan und hat einen Schlüssel. Vielleicht ist er auch nur derjenige, der aufgrund seiner Nähe zunächst die Unterlagen der Mutter prüft. Was wird Hans nun machen, wenn er unter diesen Unterlagen das oben dargestellte Testament findet? Wenn er ehrlich ist wird er es an das Nachlassgericht weiterleiten (wozu er gemäß § 2259 BGB verpflichtet ist). Die Chancen, dass es aber zusammen mit anderen „unwichtigen Unterlagen“ im Müll (oder noch besser in Hans Kamin) landet, sind aber ungleich höher.

Liegt kein Testament vor gilt die gesetzliche Erbfolge, die dann dazu führt, dass Hans wie jedes der anderen Kinder Erbe wird.

Wer also jemanden enterben will, der sollte nicht nur ein entsprechendes Testament schreiben, sondern auch sicherstellen, dass es im Erbfall in den richtigen Händen landet. Das kann dann der Fall sein, wenn man es demjenigen gibt, der am meisten hiervon begünstigt ist.

Sicherer ist es das Testament gleich beim Nachlassgericht in die amtliche Verwahrung zu geben. Das Nachlassgericht sorgt dann dafür, dass beim Standesamt des Geburtsortes ein Hinweis auf das Testament hinterlegt wird. Im Sterbefall erhält das Standesamt des Geburtsortes eine Mitteilung und prüft ob ein solcher Hinweis vorliegt. Ist dies der Fall wird das Testament an das Nachlassgericht weitergeleitet.
So ist sichergestellt, das der letzte Wille auch tatsächlich beachtet wird.

One Response to “Wo bewahrt man ein Testament am Besten auf?”

  1. […] der Aufstellung der Suchbegriffe, mit denen ein hoffentlich dann gut informierter Leser diese Seite erreichte fand sich auch die Frage “Wie enterbe ich meinen Sohn?”. […]

Leave a Reply

%d Bloggern gefällt das: