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Richter Ballmann schreibt in einem Beitrag zum Palandt, dass es ein Skandal sei, den Namen beizubehalten, da der Namensgeber Otto Palandt durch seine Arbeit und Ansichten im Dritten Reich zu belastet ist.

Zu dessen Vergangenheit heißt es in der WIkipedia:

Nach dem Abitur 1896 studiert Palandt Jura in München, Leipzig und Göttingen. Im Jahr 1899 absolviert er in Celle das erste juristische Staatsexamen. Im gleichen Jahr beginnt er das Referendariat in Zellerfeld (Harz). 1902 wird Palandt ohne Dissertation an der Universität Heidelberg promoviert. 1904 legt er, ebenfalls in Celle, das zweite juristische Staatsexamen ab. Von 1906 bis 1912 ist er Richter am Amtsgericht Żnin (Provinz Posen), darauf am Landgericht Kassel, während des Ersten Weltkrieges am Kaiserlichen Obergericht in Warschau. Später wird er zum Gerichtsrat am Oberlandesgericht Kassel ernannt. Schon frühzeitig trat er für den Nationalsozialismus ein. 1934 wird er von Roland Freisler zum Präsidenten des Reichsjustizprüfungsamtes ernannt und ist damit einer der einflussreichsten Juristen des Dritten Reichs. Im selben Jahr wird Palandt mit der Arbeit an einem Kommentar zum BGB beauftragt, „der das nationalsozialistische Gedankengut hinreichend berücksichtigt“.

(…) Zum Palandt selbst steuerte er nur das Vorwort und die Einleitung bei, die seine nationalsozialistische Einstellung dokumentiert. Für den Beck-Verlag, der die Kurzkommentar-Reihe aus den Händen des jüdischen Verlages Liebmann 1933 gekauft hatte, war die Herausgeberschaft Palandts aus Vermarktungsgründen erfolgt.

Durchaus also gute Gründe für eine Umbenennung. Andererseits ist es eben der Palandt. Jeder neue Name würde daher merkwürdig klingen. Der Name wird inzwischen nicht mehr mit dem Juristen und dem Dritten Reich, sondern mit dem Kommentar verbunden und ist insofern wertneutral.

Was meint die werte Leserschaft: Sollte eine Umbenennung erfolgen?

17 Responses to “Sollte man den Palandt umbenennen?”

  1. Ref. Iur. sagt:

    Ja, man sollte den Palandt umbenennen.
    Bei der Gelegenheit könnte der Beck Verlag auch gleich mal den Schönfelder mit der Nr. 1 beginnen lassen. Das „Freihalten“ der ersten 19 Ordnungsziffern halte ich für genauso mies … .

  2. Ralf sagt:

    Ich denke, dass die Bezeichnung „Palandt“ (heute) in erster Linie mit dem Kommentar und nicht mit Otto Palandt assoziiert wird. Schon deshalb sollte man den Kommentar m. E. nicht umbenennen, zumal „der Palandt“ eben eine Institution ist.

  3. Toni sagt:

    Ich finde persönlich den Schönfelder deutlich problematischer, zumal das Grundgesetz ja jetzt sogar in den Ergänzungsband gewandert ist…

  4. Brandau sagt:

    @ Ref.iur und Toni
    Auf eine Nachlieferung nur wegen geänderter Gliederungsnummern hätte ich allerdings auch wenig Lust.
    Das mit dem Grundgesetz hat mich aber auch gestört. Das hatte immer etwas schönes vorneweg. Keine Ahnung warum sie das verlagert haben.

  5. Hans sagt:

    Spontan bin ich auch für umbenennen – warum auch nicht? Tradition hin oder her, in so einer will man doch nicht stehen, oder?

  6. Nureinstudent sagt:

    Naja, es muss ja keine Extranachlieferung dafür gemacht werden, sondern mit der nächsten turnusmäßigen eingebaut werden. Ich würde das BGB auf 2, das EGBGB auf 3 und die BGB-InfoV auf 4 stellen und den Rest, der nicht so unmittelbar mit dem BGB zusammenhängt von mir aus auf seinen Nummern lassen. Das denke ich wäre ein gangbarer Kompromiss.

  7. Brandau sagt:

    @Nur ein Student
    Teurer werden sie die Nachlieferung trotzdem machen müssen, ist ja schließlich eine Menge an Papier, dass neu gedruckt werden muss.

  8. Toni sagt:

    Das Einsortieren hatte ich auch vergessen… Oh Gott, wie ich das hasse, hätte noch zwei Lieferungen hier, wenn jemand über die Feiertage nix zu tun hat ;
    Vielleicht könnte man bei neuen Schönfeldern die Ordnungsnummern ändern… aber insgesamt schwierig.

  9. Xaerdys sagt:

    Namen sind Schall und Rauch. Ich stimme zu. Der Name ist nicht mehr belastet, weil er eben mit dem Kommentar verbunden wird. Letztlich ist Palandt nur ein Name und es wird auch andere Leute geben, die so heißen. Warten wir auf neuen juristischen Palandt und widmen es diesem. 😉

  10. Pascal sagt:

    Unter dem Nationalsozialismus war ja nicht alles… okay, lassen wir das.

    Ernsthaft: Ich hätte durchaus Verständnis dafür, weiß aber nicht, ob das jetzt noch so dringlich wäre. Der Palandt ist ja mittlerweile doch eher ein Eigenname.

    Gäbe es denn sinnvolle Gegenvorschläge?

  11. doppelfish sagt:

    Nein, während des Nationalsozialismus‘ war nicht alles schlecht. Selbst der „Führer“ trug Strümpfe und Lederschuhe, und ich sehe niemanden barfuss rumlaufen deswegen.

    Aber der Herr Palandt war doch wohl eine Stütze dessen, was den Schrecken des Nationalsozialismus‘ ausmachte, wie woanders Lütjens oder Mölders. Immerhin, diese Kähne rosten jetzt im Hafen.

    Auf die fortwährende Ehrung dieses Herren kann und sollte gerade die Juristerei doch verzichten. Vielleicht findet sich ja unter den heutigen Jura-Experten einer, der es wert ist, daß der neue Kommentar seinen Namen trägt?

  12. Nur umbenennen, wenn er keine Autobahnen gebaut hat.

    O.k.: ich bin offen. Neige allerdings dogmatisch eher der Umbenennung zu.

  13. Mike sagt:

    Otto Palandt ist nicht nur Symbol des Opportunismus einer ganzen Reihe namhafter deutscher Juristen während der NS-Zeit (z.B. Carl Schmitt, Hans Globke). Mehr noch: er war überhaupt kein besonders guter Jurist, geschweige denn Kommentator.
    Kommt hinzu, dass er eben jene rein positivistische Haltung repräsentiert, von der sich das BverfG (siehe Soraya-Urteil, 1973) und das GG in seiner Konzeption (siehe Art. 20 III GG) seit Angedenken zugunsten eines pragmatischen gemäßigten Naturrechts distanziert.

    Daher umbennenen. Und bitte schnell. Dies ist eine sinnlose Tradition.

  14. DD sagt:

    Bin auch der Meinung,dass eine Umbenennung, trotz des großen Aufwandes,den sie mit sich brächte, angebracht wäre.
    Wie wäre es den mit „Liebmann“ als neuen Namen?
    Klar sollte man nicht hypersensibel reagieren, sobald es irgendwie ums Dritte Reich geht, aber es geht darum sich davon,zumindest meiner Meinung nach, zu distanzieren und die Verwendung eines solch „vorbelasteten“ Namens wird dem nicht gerecht.
    Zumal er es bzw. der Beck-Verlag auch noch von einem jüdischen Verlag übernommen hat…

  15. Denkbar wäre in meinen Augen auch – unabhängig von einer Umbenennung – ein kurzer offener Abriss zur Geschichte des Kommentars in der Einleitung, die zur problematischen Figur des Namensgebers kritisch Stellung nimmt.

    Das wäre auch insofern gerechtfertigt, als der „Palandt“ ja inzwischen selbst ein Stück deutscher Rechtsgeschichte darstellt und sich von der konkreten Figur Otto Palandts, der ja bezogen auf die Kommentierungen offenbar ohnehin nie besonders einflussreich war, längst gelöst hat.

    Ich könnte mir vorstellen, dass sich vor allem auch die gegenwärtigen Kommentatoren damit wohler fühlen würden.

  16. Peter Scholz sagt:

    Natürlich muß der P… umbenannt werden, denn jeder Student kommt automatisch auf dessen Biografie, die wiederum direkt zu Freisler und dem Unrecht führt. So werden aus alten Nazi-Schweinen, Edelsteine.
    Die Justiz in Deutschland trägt immer noch den Makel verfehlter Entnazifizierung und eine unglaubliche Unkenntnis des Grundgesetzes. Deutschland isoliert sich schon wieder. Merkt das keiner?

  17. Super Seite. Hier komme ich jetzt regelmäßig vorbei.

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