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Eine kuriose Auseinandersetzung vor dem Amtsgericht Bonn habe ich heute entdeckt: In dem Fall stritten sich eine Mieterin und ihr Vermieter wegen Sex auf der Terrasse, durch den sich die Nachbarn belästigt fühlten.

Ausgangspunkt des Streit waren mehrere Beschwerden von benachbarten Mietern über eine Mieterin. Einer der Nachbarn hatte sogar heimlich Fotos angefertigt, auf der die Mieterin mit einen männlichen Gast unbekleidet auf der gut einsehbaren Terrasse zu sehen war. Übereinstimmend sagten die Nachbarn vor Gericht aus, dass die Mieterin auf ihrer Terrasse mit dem Gast eindeutig sexuelle Handlungen vorgenommen hatte. Die Nachbarn waren darüber sehr erbost, zumal sich auch in unmittelbarer Nachbarschaft zwei Kinderspielplätze befinden. Der Vermieter mahnte die Mieterin ab und legte vor Gericht auch die angefertigten Fotos vor.

Zu Recht befand das Amtsgericht Bonn. Die Mieterin habe durch ihr Handeln eindeutig den Hausfrieden gestört. Durch ihr freizügiges Verhalten auf der gut einsehbaren Terrasse habe sie gegen das gegenseitige Rücksichtnahmegebot verstoßen. Der Einwand der Mieterin, dass doch auch ihre Nachbarn auch ihr gegenüber Toleranz zu wahren hätten, wurde vom Amtsgericht abgeschmettert. Da die Mieterin öffentlich in der gut einsehbaren Terrasse die sexuellen Handlungen ausübte, könne sie sich nun nicht mehr nachträglich auf ihre Intimspähre berufen. Diesen geschützten Bereich habe sie selbst freiwillig verlassen.

Noch ein Kuriosum zum Schluss: Wer nun auf Einsicht in die Fotos des Nachbarn hofft, muss enttäuscht werden. Der Vermieter musste der Mieterin die angefertigten Fotos herausgeben, da sie das Persönlichkeitsrechts der Mieterin verletzten und daher auf rechtswidrigem Wege zustande gekommen seien. Das Gericht durfte daher im Prozess die Bilder auch nicht zu Beweiszwecken verwerten, vielmehr musste sich das Gericht bei seiner Überzeugungsbildung alleine auf die Schilderung der Zeugen verlassen.

7 Responses to “Sex auf der Terrasse: Mietrechtliche Folgen”

  1. nixx sagt:

    gerade was die Verwertung der Bilder anbetrifft beisst sich die Katze mal wieder selbst in den Schanz… 😉

  2. doppelfish sagt:

    Soso, den Hausfrieden gestört? „Make Love, not War“ heisst es doch. Naja, gut, von „auf dem gut einsehbaren Balkon“ steht da nichts dabei. 😀

  3. Plissee sagt:

    naja wie heißt es so schön: Wer keine Problem hat sucht sich welche.
    Es gibt echt Leute die sich über alles aufregen.

  4. Alex sagt:

    Sonst wird doch immer darüber geklagt, dass in Deutschland zu wenig Kinder gezeugt werden.

  5. fernetpunker sagt:

    Gab es neben dem mietrechtlichen Verfahren noch ein strafrechtliches wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses, Exhibitionismus o.ä.?

  6. Brandau sagt:

    Wäre möglich, darüber schweigt das zivilrechtliche Urteil leider.

  7. Michael Schmidt sagt:

    Nicht nachvollziehbar erscheint die Ansicht des Gerichts zur Verwertbarkeit der Lichtbilder.

    Das Gericht ist ja zutreffend zu der Ansicht gelangt, die Beklagte habe sich beim öffentlichen GV des besonderen Schutzes des Privatbereichs begeben. Dann aber erscheint die Meinung, die von diesen Vorgängen gefertigten Lichtbilder seien nicht Verwertbar, schlicht unhaltbar.

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