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Vor einiger Zeit hatten Schüler aus Kreuztal in der Nähe von Siegen auf sich aufmerksam gemacht, weil sie sich auf der Busfahrt bei einem Schulausflug so betrunken hatten, dass der Notarzt gerufen werden musste. Da dieser nur rechtzeitig per Hubschrauber eintreffen konnte musste kurzfristig die Autobahn A45 gesperrt werden.

Die Schüler, zwei 16-jährige und ein 14-jähriger hatten Vodka in Apfelsaftflaschen versteckt und sich dann auf der Fahrt betrunken. Dies fiel erst an einer Rastätte auf, weil einer der Jungs nur noch schwankend gehen konnte. Einer der 16-jährigen kollabierte dann an der Raststätte, der 14-jährige zeigte wohl erhebliche Ausfallerscheinungen. Beide wurden in die Kinderklinik nach Dortmund gebracht.

Die Schulfahrt wurde aufgrund der Vorfälle abgebrochen.

Jetzt wurden kürzlich über die Konsequenzen aus diesen Vorfällen für die Jugendlichen entschieden:

Zwei der Schüler werden nach den Sommerferien auf eine neue Schule verwiesen. Dies wurde damit begründet, dass die Schüler keine Reue gezeig hätten.

Dem anderen Schüler wurde eine Verweisung lediglich angedroht, er hatte sich bei den Mitschülern und Lehren entschuldigt. Zudem ist er von künftigen Schul- und Klassenfahrten ausgeschlossen und muß an drei Wochenenden Sozialstunden in einem Krankenhaus leisten. Er hat zudem anderen Schülern das für die Fahrt gezahlte Geld erstattet.

Der Schulverweis ist bereits eines der härteren Mittel, dass das Schulgesetz vorsieht. Ob dies bei Schülern, bei denen ein Betrinken aus dem Ruder läuft wirklich angemessen ist? Es dürfte kein vollkommen ungewöhnlicher Vorfall sein, dass Schüler sich auf einer solchen Fahrt betrinken. Die Schüler haben wahrscheinlich die Wirkung des Alkohols unterschätzt. Insbesondere bei Mischgetränken – hier süßer Apfelsaft mit Vodka – ein leicht passierender Fehler. Das die Wirkungen so gravierend waren hatten die Schüler sicherlich auch nicht geplant.

§ 52 Schulgesetz NRW: Erzieherische Einwirkungen, Ordnungsmaßnahmen

(1) Erzieherische Einwirkungen und Ordnungsmaßnahmen dienen der geordneten Unterrichts- und Erziehungsarbeit der Schule sowie dem Schutz von Personen und Sachen. Sie können angewendet werden, wenn eine Schülerin oder ein Schüler Pflichten verletzt. Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit ist zu beachten. Ordnungsmaßnahmen sind nur zulässig, wenn erzieherische Einwirkungen nicht ausreichen. (…)

Die Maßnahme muss demnach Verhältnismäßig sein. Ordnungsmaßnahmen sind nachrangig zu erzieherischen Maßnahmen. Zu den erzieherischen Einwirkungen gehören insbesondere das erzieherische Gespräch, die Ermahnung, Gruppengespräche mit Schülerinnen,Schülern und Eltern, die mündliche oder schriftliche Missbilligung des Fehlverhaltens, der Ausschluss von der laufenden Unterrichtsstunde, die
Nacharbeit unter Aufsicht nach vorheriger Benachrichtigung der Eltern, die zeitweise Wegnahme von Gegenständen, Maßnahmen mit dem Ziel der Wiedergutmachung angerichteten Schadens und die Beauftragung mit Aufgaben, die geeignet sind, das Fehlverhalten zu verdeutlichen.

Ordnungsmaßnahmen sind in § 52 Abs 3 Schulgesetz NRW geregelt:


(3) Ordnungsmaßnahmen sind
1. der schriftliche Verweis,
2. die Überweisung in eine parallele Klasse oder Lerngruppe,
3. der vorübergehende Ausschluss vom Unterricht von einem Tag bis zu
zwei Wochen und von sonstigen Schulveranstaltungen,
4. die Androhung der Entlassung von der Schule,
5. die Entlassung von der Schule,
6. die Androhung der Verweisung von allen öffentlichen Schulen des Landes durch die obere Schulaufsichtsbehörde,
7. die Verweisung von allen öffentlichen Schulen des Landes durch die obere Schulaufsichtsbehörde.

Dabei ist insbesondere auch die Entlassung von der Schule, also Nr. 4 nur unter besonderen Bedingungen möglich, die in § 52 Abs. 4 Schulgesetz NRW genannt sind.

(4) Maßnahmen nach Absatz 3 Nr. 4 und 5 sind nur zulässig, wenn die Schülerin oder der Schüler durch schweres oder wiederholtes Fehlverhalten die Erfüllung der Aufgaben der Schule oder die Rechte anderer ernstlich gefährdet oder verletzt hat.

Ein wiederholtes Fehlverhalten liegt hier wohl nicht vor. Die Schüler waren vorher unauffällig. Ob hier ein schweres Fehlverhalten die Erfüllung der Aufgaben der Schule ernstlich gefährdet hat? Sicherlich ist der Schulausflug ausgefallen, aber dies dürfte keine zu erhebliche Gefährdung der Aufgabe der Schule sein. Darunter wäre sicherlich eher ein Schüler zu verstehen, der wiederholt den Unterricht im erheblichen Maße stört. Insgesamt erscheint mir der Schulverweis nicht das richtige Mittel gewesen zu sein. Mal sehen ob die Angelegenheit noch vor Gericht geht.

4 Responses to “Schulverweis für betrunkene Schüler aus Kreuztal”

  1. Toni sagt:

    Fraglich ob der Schüler das will, je nachdem wie seine Mitschüler jetzt auf ihn zu sprechen sind.

  2. Brandau sagt:

    Guter Einwand. Vielleicht ist es besser die Schule zu wechseln. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass die Schüler wegen eines ausgefallenen Tagesausfluges so schlechte Laune haben. Im Gegenzug haben sie ja eine Geschichte erhalten, die sie die nächsten Jahre erzählen können. Es sei denn die Schule hat danach noch einmal richtig Stress auch für die anderen gemacht und auch im übrigen eine strengere Aufsicht eingeführt.

  3. doppelfish sagt:

    Um die Mitschüler mache ich mir wenig Sorgen. Zentraler Punkt von Ausflügen ist ja, dass der Unterricht ausfaellt, und das hat ja geklappt 😉

    Für den rausgeschmissenen Suffkopp ist es aber vielleicht jetzt besser, die Schule zu wechseln – wie die Lehrer auf den Schüler zu sprechen sein werden, wenn sie ihn „dank“ Gerichtsurteil doch nicht loswerden konnten, kann man sich ja denken. Den Erfolg kann man den Lehrern nicht mehr nehmen: Sie haben vollendete Tatsachen schaffen.

    Und – nicht, dass ich da jemanden auf dumme Gedanken bringe, aber zwei betrunkene Schüler beim Ausflug, das ist noch eher an der unteren Grenze. Ich warte jetzt mal geduldig auf die „Wir brauchen für solche Fälle härtere Strafen, da ist der Gesetzgeber gefordert!“-Fraktion. Nicht, dass Eltern und Lehrer noch ihre Kinder selbst erziehen müssen, wo würden wir denn da hinkommen.

  4. Brandau sagt:

    Kann natürlich sein, dass die Lehrer eine Aufhebung eines einstimmigen Beschlußes übel nehmen und das sich dann der Kampf nicht lohnt.

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