Feed on
Posts
Comments

Beim Lesen der Kommentare und Berichte über den Ausgang des Kachelmann Prozesses habe ich den Eindruck, dass alle Beteiligten nach dem unrühmlichen Ablauf des Verfahrens nun alles tun, um auf Kosten der anderen zumindest ihr Gesicht zu wahren: Die Strafkammer schimpft über die Presse und die respektlosen Verteidiger, der freigesprochene Angeklagte geht via Twitter zum Angriff gegen Teile der Boulevardpresse über, der Verteidiger lästert über die Verteidgungsstrategie seines Vorgängers sowie die angebliche Voreingenommenheit des Gerichtes und Alice Schwarzer schlägt sich weiterhin unter Verdrängung jeglichen Zweifels auf die Seite des Opfers.

Meines Erachtens haben aber alle Beteiligten ihren großen Anteil, dass das gesamte Verfahren zu einem sensationslüsternden Medienspektakel und nicht zu einem Lehrstück der Strafaufklärung geriet. Insbesondere die Verfahrensleitung der Strafkammer war aus der Ferne betrachtet keine Glanzleistung und dürfte viele Auseinandersetzungen erst provoziert haben. Das nunmehrige „Nachkarten“ der Strafkammer gegen den (naturgemäß) unbequemen Verteidiger und die Urteilsausführungen zur eventuell doch vorhandenen Schuld des Angeklagten sind meines Erachtens unmöglich. Ein Freispruch bedeutet, dass das Gericht den Angeklagten für unschuldig hält und zu dieser Entscheidung steht. Alleine hierdurch kann ein Urteil Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu gewinnen. Ein „Hü und Hott“ weckt hingegen Zweifel an der Aufrichtigkeit und den Beweggründen des Gerichtes.

Es ist für die Öffentlichkeit und die Ermittlungsbehörden sicherlich bedauerlich, dass der tatsächliche Tatablauf nicht aufgeklärt werden konnte und der Täter (oder die Täterin) ungestraft bleibt. Ich glaube aber nicht, dass hierdurch das ganze Rechtssystem Schaden erlitten hat oder Vergewaltigungsopfer künftig von Strafanzeigen abgehalten werden. Dazu erscheint mir der Prozess angesichts der Berühmtheit des Angeklagten und dessen sensationslüsternden Liebensleben doch zu speziell.

Gibt es also wenigstens ein positives Ergebnis des Verfahrens? Vielleicht das: Bei aller Kritik an der deutschen Justiz zeigt sich doch, dass sie zumindest grundsätzlich keinen Mensch leichtfertig und auf bloßem Verdacht bestraft.

4 Responses to “Kachelmann Prozess: Gibt es nur Verlierer?”

  1. doppelfish sagt:

    Nunja. Wenn, dann wäre ausschließlich Herr Kachelmann als Täter in Frage gekommen; Grundlage des Freispruchs war ja, daß das angebliche Vergewaltigungsopfer die Vorwürfe erlogen hat. Also gab es auch keine Tat.

    Und zum Einen werden sich diejenigen Menschen, die tatsächlich Opfer einer Vergewaltigung geworden sind, mehr denn jeh dem Verdacht ausgesetzt sehen, die Strafanzeige nur gestellt zu haben, um dem „angeblichen“ Täter Ungemach zu bereiten, sei es bei den Strafverfolgern und vor Gericht, oder in der Öffentlichkeit. Dadurch wird gerade den Opfern das Leben schwer gemacht, und die Chance, daß zumindest der Täter gerecht bestraft wird, sinkt enorm.

    Zum Anderen sehen wir gerade hier, wie viel Schaden einem Unschuldigem zugefügt wird, der fälschlicher Weise einer Vergewaltigung beschuldigt wird. Damit ermutigt man natürlich diejenigen, die einem anderen Menschen eins „auswischen“ wollen, weil sie – warum auch immer – einen Groll oder eine Wut auf den Anderen haben.

    Und natürlich hat Ihr Kollege Hoenig Recht, wenn er sagt: „Ein Freispruch ist ein Freispruch ist ein Freispruch. Zweitklassig können allenfalls Urteilsgründe ausfallen.“.

    Aber hier waren ja nicht allein die Urteilsgründe zweitklassig. Das Gericht hat dem Vertreter der Anklage in aller Ruhe und Geduld bei seinen Teils skurrilen und verwunderlichen Ausführungen zugehört, und zugelassen, daß sich der Prozess – nicht zuletzt deshalb – über gut 40 Prozeßtage hinzieht. Und das als „zweitklassig“ zu bezeichnen, ist schon sehr, sagen wir, wohlwollend.

    Und das ganz abgesehen von den, höflich gesagt, Äußerungen, die eine gewisse „Feministin“ in einer Boulevardzeitung (die mit dem nackten Mädchen auf der ersten Seite, übrigens) gemacht hat, und was erst mit dem Urteilsspruch ein Ende findet. Naja, finden sollte, jetzt wird ja noch munter nachgekartet.

    Damit meine ich nicht, daß das Gericht Herrn Kachelman eine Sonderbehandlung aufgrund seines hohen Bekanntheitsgrades zukommen lassen sollte – aber dieser Prozeß wird uns aufgrund seiner unnötigen Länge und der ausufernden Ausführungen der Anklage deutlich in Erinnerung bleiben, im Gegensatz zu sicherlich dutzenden, vielleicht hunderten anderen Vorwürfen, die sich als gelogen herausstellten. Und das hätte dem Gericht klar sein müssen.

    Und daß sich diese Geschichte in den Köpfen der Menschen einbrennen konnte, daran hat das Gericht schuld. Das Gericht hätte hier wesentlich straffer und damit kürzer verhandeln können, und den skurrilen Ausführungen der Anklage viel früher und deutlicher einen Riegel vorschieben können.

    Daß es zum Schluß ein Urteil gefunden hat, daß sicherlich ganz nah an den erwiesenen Tatsachen liegt – die übrigens Ihre Kollegin Combe in ihrem Pladoyer sachlich und ruhig vorgetragen hat – und nicht an den, äh, Gedankengängen der Anklage, ist nur ein ganz, ganz schwacher Trost. Um wieder RA Hoenig zu zitieren: „In den Urteilsgründen hätte Gelegenheit bestanden, ein paar Korrekturen vorzunehmen. Für mein Empfinden hat das Gericht diese Chance nicht genutzt.“. Da hat er wieder Recht. Nicht einmal das.

    Das Gericht hat hier vollkommen ohne Not ein Spektakel veranstaltet, das allen zukünftigen Opfern von Vergewaltigungen schaden wird. Ganz gleich, ob diese bei Freunden oder Verwandten Hilfe suchen, ob sie sich bei anderen Vertrauenspersonen wie dem Pfarrer melden, oder ob sie bei den Behörden Anzeige erstatten – jetzt wird ihnen erst Recht Mißtrauen entgegen schlagen, gerade in dieser Situation. Und ganz schweigen wollen wir mal über diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, aus Wut oder Rache erlogene Vorwürfe zu erheben.

    Hier gibt es mehr Verlierer als nur die Menschen, die im Gerichtssaal saßen. Die Verlierer sind diejenigen, die wir schützen wollten, als wir die Vergewaltigung zur Straftat erklärt haben.

  2. egal sagt:

    „Bei aller Kritik an der deutschen Justiz zeigt sich doch, dass sie zumindest grundsätzlich keinen Mensch leichtfertig und auf bloßem Verdacht bestraft.“

    Kachelmann saß recht lange in U-Haft, schon damals war der Haftgrund lächerlich (Fluchtgefahr weil Schweizer), das OLG sah schon nicht mal einen dringenden Tatverdacht…

    Kachelmann musste wohl mit einer Verurteilung rechnen, hätte er nicht die Scharen von Gutachter und Anwälten aufgefahren. Wenn man bedenkt, dass Schwenn alleine 5000 € pro Verhandlungstag genommen hat, kann man sich ausrechnen, wie die „deutsche Justiz“ ihn indirekt bestraft hat.

    Dazu noch diese dreist-dumme Urteilsbegründung. Da hat man in 44 Verhandlungstagen versucht, die Schuld des Angeklagten zu beweisen, und findet nichts. Im Gegenteil, man entlarvt die einzige Zeugin als notorische Lügnerin und Beweisfälscherin. Und trotzdem verfasst man die Urteilsbegründung so, als wäre Kachelmann schuldig und man hätte ihn nur wegen der schlechten Beweislage nicht verurteilen können.

    Das ist wirklich eine Frechheit, was sich das Gericht hier geleistet hat und zeigt offenbar, was wie fern das Gericht von einem unvorhergenommenen Urteil entfernt ist. Man muss sich wirklich fürchten, was dieses Gericht bei normalen Menschen anrichten könnte.

  3. Franz Kafka sagt:

    In Deuschland werden Unschuldige nicht leichtfertig bestraft? Seit wann soll das so sein?

    Haben sie die Familie des Bauern Rupp schon dazu befragt? Oder Harry Wörz? Oder Ralf Witte und seinen Schwager? Oder all die jahrelang unschuldig Inhaftierten in den angeblichen Kindsmissbrauchsfällen?

    Andreas Türck wurde nicht bestraft durch ein Verfahren, dass niemals hätte eröffnet werden dürfen?

    Gäbe es in Deutschland eine vernünftige Amtshaftung und Entschädigungen in Millionenhöhe könnte man ja noch sagen, das System gleicht es irgendwie wieder aus. Aber nicht, wenn man pro Hafttag mit lächerlichen 25 Euro entschädigt wird und Staatsanwälten selbst bei vorsätzlichen Taten wie dem Verstecken von wichtigen Akten höchstens eine Beförderung bekommen, aber keine Strafe.

  4. peter sagt:

    hab voll bock auf käsebrötchen gerade

Leave a Reply

%d Bloggern gefällt das: