Feed on
Posts
Comments

Ich gebe zu ich brauchte erst diesen Hinweis um das Pseudonym des Richter Ballmann einordnen zu können. Um aber diese Bildungslücke zu schließen wurde „Herbert Rosendorfer: Ballmanns Leiden oder Lehrbuch für Konkursrecht“ gleich in die Weihnachtswunschliste aufgenommen und nunmehr auch gelesen.

„Auch in einem Vorsitzenden Richter am Landgericht kann ein Dämon wohnen“, ist der erste Satz des Buches und an seinem 50. Geburtstag hat Richter Ballmann das Gefühl, dass dieser ihn verlassen hat und sein Leben festgefahren ist. In einer Beförderung wurde er übergangen, in seiner Ehe mit seiner dickgewordenen Frau leben beide nur noch miteinander her, zu seinen Kindern hat er keinen rechten Draht mehr und auch im Berufsleben bieten sich keine großen Herausforderungen mehr. Ballmann gibt auf und beschließt einfach nicht mehr zur Arbeit zu gehen. Er schafft sich langsam eine Alternativwelt, in der er wieder der Mittelpunkt allen Handelns ist und alles sich um ihn herum dreht.

Das Fehlen Ballmanns führt natürlich auch im Gericht zu einigem Durcheinander und Rosendorfer schildert das Gericht als einen Platz, in dem alles einem streng geregelten Ablauf hat und jeder bemüht ist, dem anderen möglichst wenig auf die Füße zu treten. Abwarten, ob es sich nicht von alleine regelt ist zunächst das Motto, dann folgen vorsichtige Sondierungsversuche um Herauszufinden, was eigentlich los ist, immer von der Angst begleitet, dass Ballmann nur simuliert, um früher in die Rente gehen zu können. Ballmann aber ist tatsächlich krank und steigert sich immer mehr in seine Welt hinein.

Dies alles stellt Rosendorfer anhand vielerlei leicht skurriler Gestalten dar, von dem Richter, der beständig seine (nicht juristisch geschulte) Frau bezüglich seiner Fälle um Rat fragt über die Rechtspfleger, die ihr Mittagsessenritual getreulich einhalten bis zu dem Richter, der eigentlich nicht arbeiten muss, weil er Vermögen geerbt hat. Genau dieser Richter, der am weitesten entfernt von der Justiz steht, ist auch der Einzige, der erkennt, dass Ballmann in einer Fantasiewelt lebt und sich schließlich für Gott hält.

Das Ende des Buches ist sehr offen gehalten, was mir nicht so gefallen hat. Für einen Richter ist es sicherlich auch noch interessanter zu lesen, weil dieser die übertriebene (?) Darstellung der Gerichtsalltages noch anders würdigen kann. Im Ganzen aber ein gutes Buch, gerade für Juristen.

9 Responses to “Herbert Rosendorfer: Ballmanns Leiden oder Lehrbuch für Konkursrecht”

  1. ballmann sagt:

    Ob die Darstellung des Gerichtsalltags „übertrieben“ ist ?
    Zwei Dinge:
    1. das Buch ist Ende der siebziger/Anfang der achtziger Jahre entstanden. Der (Zeit-)Geist war damals noch ein anderer.
    Manche von Rosendorfer geschilderten Charktere habe ich aber noch kennengelernt
    2. Mit der Übertreibung wird gelegentlich der Blick auf den Kern der Sache möglich

  2. Brandau sagt:

    ich kann mir Charaktere, wie sie in dem Buch geschildert werden durchaus vorstellen. Auch ich habe bereits einige sehr skurrile Richter kennengelernt, wobei ich mir vorstellen könnte, dass diese damals besser gedeihen konnten als heute.

  3. ballmann sagt:

    „Ente Lippens“ käme heute in der Bundesliga auch nicht mehr klar

  4. Ballmanns Leiden ist für mich eines der mit Abstand besten, im Zusammenhang mit der Justiz stehenden Werke, und Rosendorfer ist eines der wenigen Genies, die es geschafft haben, sehr erfolgreich Mitglied der Justizmühle zu sein und zugleich hervorragende Literatur „auszuwerfen“ (Briefe in die chinesische Vergangenheit zB).

  5. […] (zur Bedeutung des Pseudonyms “Ballmann“) […]

  6. Das Buch hört sich doch richtig interessant an.
    Werde ich mir demnächst auch kaufen, danke für den Tipp! 🙂

  7. Coy Feerst sagt:

    with pretty dry conditions. when you had been for you to compare now exactly what that

  8. Carmélie sagt:

    Siblings are great deacyed plant material once for allmemories I believe!

  9. Carmela sagt:

    Siblings are great deacyed plant material once for allmemories I believe!

Leave a Reply

%d Bloggern gefällt das: