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Die Blogosphäre ist reich an verschiedensten Aktionen und zwei sollen hier exemplarisch näher beleuchtet werden.

  1. Malcolm möchte zum Hurricane 2008 und das möglichst günstig. Also will er den Verantwortlichen zeigen, was er an Aufmerksamkeit erzielen kann und seine Seite durch Verlinken mit dem Stichwort „Hurricane 2008“ für eben dieses in den Googleergebnissen weit nach oben bringen. So auf ihn aufmerksam geworden sollen die Verantwortlichen dann zwei Backstageausweise, ein tägliches Kontingent von 2,5 Liter Bier, eine Dose Ravioli/Tag, drei Packungen Toast und vier Packungen Scheibletten spendieren. Jedem der im durch Verlinkung hilft sein Ziel zu erreichen wird er zum Dank in ein Gedicht einbauen, dass er dann auf dem Gelände oder sogar auf der Bühne beim „Hurricane 2008“ vorträgt.
  2. MC Winkel hat hingegen seine Kontaktlinsen verloren und die dazugehörige Geschichte in ein Video verpackt. In diesem Zusammenhang erinnert er sich auch an seine alte Brille, deren Gläser wohl von einer solch ausgeprägten Dicke und Furchtbarkeit ist, dass zu befürchten ist, dass seine Leser zu Stein erstarren. Dieses Erlebnis will er seinen Lesern aber trotzdem nicht vorenthalten und verspricht einen Auftritt mit Brille, wenn er auf seinen Kontaktlinsenbeitrag 25 Trackbacks bekommt.

Beide Aktionen haben gemeinsam, dass bei einem bestimmten Erfolg eine Belohnung in Aussicht gestellt wird. In der Blogosphäre wird so eine Aktion wie die des Herrn Winkelsen rüde mit „Trackbackhurerei“ oder „Linkschnorrerei“ bezeichnet, der Jurist spricht stattdessen etwas vornehmer von einer Auslobung.

In die nüchterne Paragraphensprache des BGBs gepackt klingt das dann so:

§ 657 BGB: Bindendes Versprechen

Wer durch öffentliche Bekanntmachung eine Belohnung für die Vornahme einer Handlung, insbesondere für die Herbeiführung eines Erfolges, aussetzt, ist verpflichtet, die Belohnung demjenigen zu entrichten, welcher die Handlung vorgenommen hat, auch wenn dieser nicht mit Rücksicht auf die Auslobung gehandelt hat.

Durch die Auslobung wird also ein einseitiges Versprechen abgegeben bei einem bestimmten Erfolg einer Handlung eine Belohnung zu erteilen. Der klassische Fall ist die entlaufende Katze für deren Auffinden eine bestimmte Geldsumme ausgelobt wird. Aber genauso gut kann es eben ein Gedicht für einen Link oder ein Auftritt mit Brille für Trackbacks sein.

Die Auslobung kann noch widerrufen werden:

§ 658 Widerruf

(1) Die Auslobung kann bis zur Vornahme der Handlung widerrufen werden. Der Widerruf ist nur wirksam, wenn er in derselben Weise wie die Auslobung bekannt gemacht wird oder wenn er durch besondere Mitteilung erfolgt.

(2) Auf die Widerruflichkeit kann in der Auslobung verzichtet werden; ein Verzicht liegt im Zweifel in der Bestimmung einer Frist für die Vornahme der Handlung.

In den beiden oben genannten Fällen dürfte es dafür schon zu spät sein, da die ersten Links/Trackbacks bereits gesetzt wurden.

Für die Verteilung der Belohnung gilt das folgende:

§ 659 Mehrfache Vornahme

(1) Ist die Handlung, für welche die Belohnung ausgesetzt ist, mehrmals vorgenommen worden, so gebührt die Belohnung demjenigen, welcher die Handlung zuerst vorgenommen hat.

(2) Ist die Handlung von mehreren gleichzeitig vorgenommen worden, so gebührt jedem ein gleicher Teil der Belohnung. Lässt sich die Belohnung wegen ihrer Beschaffenheit nicht teilen oder soll nach dem Inhalt der Auslobung nur einer die Belohnung erhalten, so entscheidet das Los.

Bei beiden Fällen dürfte hier Abs. 2 S1 einschlägig sein. Malcolm müsste also jeden der einen Link gesetzt hat zu gleichen Teilen in dem Gedicht erwähnen, der MC Winkel (zumindest) jedem der 25 Trackbacker seinen Auftritt mit Brille vorführen

So, genug dahergeredet um beide Links berechtigt in einem juristischen Blog unterzubringen. Wie man eine solche Auslobungsbelohnung gerichtlich geltend macht und welche Vollstreckungsmöglichkeiten bestehen kann man dann ja erörtern, wenn es so weit ist. Interessanter wird es aber wahrscheinlich, was für einen Reim Malcolm findet. „Rechtsanwalt News“ ist da sicher nicht einfach.

3 Responses to “Die Auslobung in der Blogosphäre am Beispiel von MC Winkel und Malcolm”

  1. Bernie sagt:

    „Sechzehn’nhalb Fuß“
    (erhebe die Stimme) „krächzend zum Gruß“
    (ich) „flecht’s an mein‘ Fuß“
    (ich) „möcht’s und ich tu’s“

  2. Brandau sagt:

    Okay, ich bin eines Besseren belehrt 🙂

  3. Malcolm sagt:

    Das ist tatsächlich einer der harten Nüsse, an denen ich zu knabbern hätte, sollte es zum Reimen kommen! Sollte aber in einem Anfall von Blues* machbar sein!

    Aber danke für die interessante juristische Darstellung meiner Nüsse!

    *(Da ist ja der Reim!)

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