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Der gläserne Mensch: Was vor einigen Jahrzehnten noch eine Horrorvorstellung war, ist heutzutage fast Realität. Unter dem Vorwand der Terror- oder Kriminalitätsbekämpfung, aber auch aus statistischen Gründen versuchen zahlreiche Regierungen, soviele Daten wie möglich von ihren Bürgern zu sammeln. Der Staat sammelt Daten – immer schneller, immer mehr. Das gilt in Deutschland ebenso wie in anderen Ländern.

Das die Sammelwut mitunter zu irrwitzgen Ergebnissen führen kann, zeigt nun ein Projekt der britischen Regierung: Die britische Regierung setzt auf die Kreativität der Bürger und hat größere Datenbestände freigegeben. Größere Datenbestände der Landvermessungsämter, aus dem Gesundheitswesen, den lokalen Statistikämtern und dem Umweltministerium stehen ab sofort den Bürgern kostenlos zur Verfügung.

Auf der Website „Show Us a Better Way“ bittet die Regierung die Bürger um Mithilfe: „Die britische Regierung möchte Ihre Ideen zu neuen Produkten hören, mit denen die Art und Weise verbessert werden kann, wie öffentliche Informationen kommuniziert werden. Im Auftrag der Regierung führt die Power of Information Taskforce einen Wettbewerb dazu durch. Für die besten Ideen stehen Geldpreise im Gesamtwert von 20.000 Pfund bereit.“

Um die Bürger auf die richtige Spur zu bringen, bietet die Regierung auch einige originelle Beispiele für die Datenverwendung- und darstellung an: Die Daten können beispielsweise für ein „Crime Mapping“ in einer Internetdatenbank verwendet werden, mittels derer jedermann die Krimialität in der Stadt oder in der Nachbarschaft erkennen kann. Der Nutzen könnte beispielsweise sein, dass man künftig weiß, wo man nachts lieber nicht lang gehen sollte und wo man sein Auto beruhigt über Nacht abstellen kann. Sinnvoller Zusatz: Wo gibt es die nächste Polizeistation und den nächsten Anwalt?!

Ein weiteres Beispiel wäre „Fix My Street“: Eine Internetdatenbank, bei der die Umweltbelastung in den Regionen, aber auch der allgemeine Zustand von Straßen dargestellt wird. Man will ja künftig von Schlaglöchern verschont werden…

Ein weiteres originelles Beispiel: „Rate Your Prison„, sprich eine Bewertung der Qualität der lokalen Gefängnisse. Auf der Website des letztgenannten Projekts liest man: „Rate Your Prison ist Ihr Weg, um über Ihre Erfahrungen beim Besuch von Freunden und Familienmitgliedern in Gefängnissen im ganzen Land zu berichten“.

Angesichts solcher Beispiele darf man gespannt sein, welche Verwendungsmöglichkeiten sich die Briten für die Regierungsdaten noch einfallen lassen.

Jedenfalls stellt sich nun die Frage: Welche Ideen hätten unsere Leser für die Verwendung der Daten?

3 Responses to “Britische Regierung sucht nach Verwendungszweck für ihre Datenberge”

  1. doppelfish sagt:

    Wie entlarvend: Die Regierung ertrinkt in den selbst gesammelten Daten und weiss sich nicht anders zu helfen, als um Hilfe zu rufen.

    Also, ich hätte da eine gute Idee.

  2. Malte S. sagt:

    Wie wärs mit „show the next terrorist“? Denunziantentum leicht gemacht. Am Besten als PlugIn für ein bekanntes Kartenprogramm eines noch bekannteren Suchmaschinenbetreibers.
    Oder eine „capital crime map“ – dummerweise würden dann die Regierungs- und Firmengebäude nicht mehr auf der Karte sichtbar sein.
    Gut fände ich auch „health of my neighbors“. Da weiß man gleich welche Wohnung frei wird. Auch gut geeignet für Frauen und Männer, die alte, vermögende und sterbenskranke Ehepartner suchen. Das würde – zumindest in Deutschland – auch eine Entlastung des instabilen Pflegekraftmarktes mit sich bringen.

  3. RA JM sagt:

    Ideen für die Verwendung der Daten? Vernichten, aber ganz schnell – und am besten die Urheber dieses Irrsinns gleich mit.

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