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Zeugen sind häufig etwas nervös, wenn sie das erste Mal vor Gericht sind. Wenn die Zeugen „im eigenem Lager“ stehen, also beispielsweise Freunde oder Mitarbeiter des Mandanten sind versuche ich ihnen daher schon einmal etwas die Sorge zu nehmen und sie etwas für Zeugenaussagen zu sensibilisieren. Meine typische Belehrung verläuft dabei etwa wie folgt (in der gekürzten Form):

„Hallo mein Name ist Brandau, ich vertrete Frau Müller als Rechtsanwalt in dem Verfahren. Waren sie schon mal als Zeuge vor Gericht? Nein? Dann erzähle ich ihnen gerade mal etwas dazu, damit sie vorbereitet sind:
Wenn die Sache aufgerufen wird, dann kommen Sie mit mir zusammen rein und setzen sich ersteinmal alle hinten hin. Der Richter wird dann ersteinmal feststellen, ob alle da sind und dann die Zeugen belehren, dass sie die Wahrheit sagen müssen und nichts als die Wahrheit, so ähnlich wie sie das aus dem Fernsehen kennen. Das muss der Richter machen, dass ist kein Mißtrauen gegen Sie. Dann werden meist alle Zeugen wieder rausgeschickt und wir verhandeln erst einmal ohne Sie über die Sache.

Der Richter ruft die Zeugen dann einzeln wieder rein. Dann fragt er sie nach ihrem Namen und wo sie wohnen, sowie nach ihrem Alter und ihrem Beruf, dass muss er ins Protokoll aufnehmen. Zudem fragt er sie, ob sie mit einer der Seiten verwandt oder verschwägert sind, weil sie dann die Aussage verweigern können. Die meisten Richter diktieren ihre Aussage direkt in ein Aufnahmegerät, wenn der Richter da etwas Falsches sagt, dann unterbrechen sie den Richter gleich, damit das korregiert wird.

Dann befragt sie zunächst der Richter zum Sachverhalt. Wie er das macht ist ganz unterschiedlich, der eine läßt sie einfach erzählen, der andere stellt gezielte Fragen. Wichtig dabei ist, dass sie nicht nur die nackten Fakten kurz darstellen, sondern auch ein wenig drumherum erzählen. Der Richter will sich ja ein Bild machen, wie es wirklich war und die Gegenseite wird es anders darstellen, er muß also überprüfen, ob sie die Wahrheit sagen und das kann er am einfachsten, wenn er merkt, dass sie das Drumherum darstellen können und nicht nur den wesentlichen Kern. Wer sich etwas ausdenkt, der hat sich nämlich meist keine Gedanken zu den Details gemacht. Wenn sie sich bei etwas nicht mehr ganz sicher sind, dann sagen sie das ruhig dazu, es kann niemand erwarten, dass sie sich noch an jede Einzelheit erinnern. Wenn der Richter fertig ist, dann sind die beiden Anwälte mit Fragen dran. Zuerst der, der sie als Zeuge angegeben hat. Wenn sie also was vergessen haben oder ich nocheinmal etwas betonen möchte, dann frage ich sie dazu.

Wenn die Aussage gut gelaufen ist, dann wird die Gegenseite meist versuchen, die Aussage schlecht zu machen. Nehmen sie das nicht persönlich, es heißt ja eigentlich, dass sie eine gute Aussage gemacht haben. Ein häufiges Mittel ist es Sie nach Details zu fragen, den dann kann die Gegenseite eben sagen, dass sie sich die Sache nur ausgedacht haben, weil sie ja keine Details wissen. Es geht also häufig gar nicht darum, ob sie die genaue Frage beantworten, es geht darum, ob sie hinreichend Details wissen. Wenn die Gegenseite sie also fragt, welche Farbe der Pullover des Beklagten an diesem Tag hatte und sie wissen es nicht, dann anworten sie lieber „an die Farbe des Pullovers kann ich mich nicht mehr erinnern, aber seine Hose war eine Jeans und seine Brille war randlos“. Wenn es einen Grund gibt, warum sie sich an etwas erinnern, dann sagen sie den ruhig dazu, das macht die Aussage auch nachvollziehbar. Wenn sie sich also an den Beklagten erinnern können, weil er ihrem Onkel Alfred ähnlich sieht oder weil sie sich aus bestimmten Gründen über sein Verhalten besonders geärgert oder gefreut haben ,dann nur raus damit. „

Ich sage den Zeugen also nicht, was sie sagen sollen (was eine Zeugenbeeinflussung sein könnte) sondern lediglich, wie sie das was sie erlebt haben in bestmöglicher Form wiedergeben. Es ist nämlich leider so, dass gerade Zeugen aus technischen oder handwerklichen Berufen ihre eigene Aussage schlechter machen als sie es verdient, indem sie sich auf Fakten beschränken und damit gegen einen Zeugen, der sehr detailreich erzählt verlieren.

25 Responses to “Als Zeuge vor Gericht: eine kurzer Überblick”

  1. Kay sagt:

    Danke schön für den Tipp.. ich muss auch bald mal als Zeuge ran und kann gut nachvollziehen, dass viele beim ersten mal sehr nervös sind. 😉

  2. ballmann sagt:

    Als ich neulich einen Zeugen über seine Wahrheitspflicht belehren wollte hat er mich unterbrochen und gemeint: „Nicht nötig, kenn ich schon. Ich guck nachmittags immer diese Gerichtsshows.“

    • loop sagt:

      Wurde gestern als Zeug geladen. War 2008 als Niederlassungsleiter tätig (Verantwortliche Person) und muss heute gegen einen ehm. Kunder, der Insolvenz angemeldet hatte aussagen. Das Problem ist, mein ehm. Chef, der mich zwischenzeitlich auf eine miese Weise gekündigt hatte, ist auch als Zeuge geladen.
      Folgende Frage habe ich:
      1) Wer benennt Zeugen – könnte es meine ehm. Firma gewesen sein
      2) Da es um Zahlunge meinder ehm. Firma geht, könnte es passieren das die Firma versucht die Kosten später auf mich abzuwälzen, da ich die verantwortliche Person war?
      3) wie kann ich mich am Besten schützen?

  3. Die Zeugen werden nicht immer einzeln gerufen. Es gibt Fälle, da dürfen die Zeugen vorab zuhören, was der andere Zeuge sagt.

    Das funktioniert jedenfalls, wenn die Zeugen Anwälte sind und sich zum Anwalt des Klägers berufen. Die Anwälte als Zeugen brauchen den Gerichtssaal nicht zu verlassen.

    Sind es zwei Anwälte, dann hört der zweite Anwalt als der nächste Zeuge zu, was der erste so alles plappert. Er darf dann als besonders vertrauensvoller Zeuge – denn Anwälte lügen per Definition vor Gericht nie – später ergänzen und präzisieren.

  4. Brandau sagt:

    @Kay
    Gern geschehen, ich hoffe es hilft

    @ballmann
    Ja, die Gerichtsshows. Da hat man eh immer mit zu kämpfen. Hatte ich auch schon mal was zu geschrieben

    @Rolf Schälike
    Bei einem Anwalt würde ich mir die oben dargestellte Belehrung auch sparen 😉

  5. Ich sage oft weiter:
    Sehen Sie nicht – am besten noch hilfesuchend – in meine oder Mandantenrichtung, wenn Sie Fragen nicht beantworten können. Dann wissen Sie es eben nicht, da Sie nicht alles wissen müssen. Antworten Sie auf die Fragen des Gerichts, und zwar nur auf die Fragen. Hören Sie zu, wenn das Gericht ihre Aussage zu Protokoll nimmt und haben Sie den Mut, das Gericht zu korrigieren.
    Undundund. Meistens übrigens für die Katz. 🙂

  6. Brandau sagt:

    @Rechthaber
    Wichtig ist es ja auch den Zeugen nicht zu nervös zu machen. Er soll schon mal eine Einschätzung haben, was auf ihn zukommt, damit er es einordnen kann.
    Mitunter bringt es was, mitunter nicht. Aber ich denke auch es wird zumindest nicht schlechter

  7. Th.G. sagt:

    Darf ich meine gerichtliche Zeugenaussage vor der nächsten Verhandlung (nach Berufung) noch einmal bei einem der Anwälte lesen?

  8. s sagt:

    Hilfe ich muß eine Polizeiliche Zeugen aussage machen gegen einer damaligen mitarbeiterin, wegen unterschlagung.brauche ich nun einen anwalt.geht es vor Gericht wenn ja muß ich dort hin.

  9. Juan sagt:

    Wie redet man denn den Richter oder die Anwälte an? Name, Herr Richter, euer Ehren?

  10. Gerli sagt:

    Super Info!
    Bin morgen als Zeugin geladen, zum ersten Mal! Deshalb auch sehr nervös. Aber der Text und die Kommentare haben mir schon sehr geholfen. 🙂
    Bin gespannt wie es dann wirklich abläuft.

  11. Sven sagt:

    Vielen Dank für diese Informationen!

    Ich bin heute als Zeuge geladen und dementsprechend aufgeregt. Aber ich werde das Ganze durch die oben genannten Tipps glaub ich ganz gut hinbekommen.

    Danke!

  12. martin waldhauser sagt:

    danke, fühle mich jetzt vorbereiteter. gelassener. man weiß ja vorab nicht, was da auf einen so zu kommt……
    kleiner ergänzung : auch wenn es gut und hilfreich sein kann, auch scheinbar unwesentliche details usw ausführen zu können, so sollte man doch darauf hinweisen, das bei gezielten sachverhaltsfragen auch eine antwort erwartet wird, die wesentliches für die wahrheitsfindung beinhaltet. in solchen fällen ist es wohl besser zu sagen :ich weiß es nicht !, oder ich verweigere die ausage !
    , als eine ausgeschmückte geschichte vorzutragen…..

  13. albi sagt:

    hallo ich habe demnächst eine zeugenaussage vor mir und bin ein wenig nervös. es geht um körperverletzung und hab ein wenig schiss,dass die im saal befindlichen personen eine art „rache“ nehmen wollen. hab ich ne möglichkeit dass meine adressdaten tc. vom gericht verschwiegen werden so dass keiner sie wahrnehmen oder sich merken kann??? bitte um hilfe. danke im vorhinein

  14. Adonis sagt:

    Die genauen Adressdaten der Zeugen werden in der Verhandlung üblicherweise gar nicht angesprochen, höchstens die Stadt des Wohnsitzes.
    Insofern also kein Grund zur Beunruhigung.

  15. albi sagt:

    ok danke,dann hoff ich mal das es bei uns nichtunüblich ist!
    noch ne frage, könnte ich auch eine schriftliche aussage machen? bzw wenn ich nichts genaues aussagen kann auch ganz auf die aussage verzichten???

  16. Adonis sagt:

    Nein, zum festgesetzten Tag musst du schon zum Gerichtssaal erscheinen und eine Aussage machen. Sonst droht Ordnungsgeld (oder gar Ordnungshaft). Schriftliche Aussagen eines zumutbarerweise am Gericht verfügbaren Zeugen dürfen grundsätzlich auch nicht verlesen werden. Und naja, ob das, was du aussagen kannst, wesentlich ist, obliegt nunmal der Beurteilung durch das Gericht.

  17. albi sagt:

    naja mal schauen ich werd das gericht mal anschreiben und ihn mein vorliegen näher bringen und dann werden sie sicher reagieren. danke für die infos

  18. Beate sagt:

    Moin moin!

    Wie verhalte ich mich, wenn ich in einer Bußgeldsache als Zeuge vor Gericht muss. Es sind nur die Parteien, also mein Verlobter u. ich und der Fahrer der Gegenseite angegeben. Es handelt sich um einen Verkehrsunfall auf der Autobahn.

  19. Vanessa sagt:

    Danke für die Tipps 🙂
    Ich bin auch bald als zeuge geladen leider weis ich nicht genau in dem Schreiben stadt ledigtlich das es um ein bußgeldverfahren handelt
    Da es sich um einen guten Freund geht weis ich nicht was ich tun soll. Da das ereigniss das es vill. sein könnte 7 Monate.her ist kann ich mich an fast nichts errimern . Ist das Schlimm? Wird man mir klauben? Ich will nicht gegen meinen Freund aussagen aber ich weis nicht einmal genau um was es geht !

  20. H4rdteKkLiebenUndLeben sagt:

    Das ist ja jetzt schon von 2008, ich hoffe es läuft noch immer so ab.
    Ich hab so eine Angst davor, ich meine ich bin grad mal 16 und das Geschehen ist schon über ein Jahr her…

  21. Michael sagt:

    Hallo,

    ich bin in einem Nachbarschaftsstreit von einer Partei als Zeuge benannt worden.
    Ich habe mic 2x durch ein ärztl.attest entschuldigen lassen.Nun habe ich gehört, das die Partei gegen die ich meine aussage machen soll mich in meiner abwesenheit ebenfalls als Zeuge benannt hat.

    Ist das überhaupt rechtlich zulässig?

    MfG
    Michael

  22. Liva NeedaFly sagt:

    Hallo wollte fragen ob ich mit jemanden privat und annonym schreiben könte der sich da gut auskennt oder is das hier anonym ?!
    Ich hab ein dringendes problem wegen gericht und aussage
    ware sooooo dankbar wenn dich jemand meldet.
    es is wirklich dringend.
    ps: bin 17 jahre alt (falls das wichtig is )

  23. Emily sagt:

    Guten Tag, wenn ich brechtigte Gründe haben meinen Wohnort als Zeuge nicht anzugeben muss ich es trotzdem ?

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